Stand: 05.09.2017 19:30 Uhr

Die Suche nach dem Endlager - So läuft sie ab

Am Dienstag hat die neue Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) das "Standortauswahlverfahren" gestartet. Ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll soll gefunden werden. Doch wie funktioniert dieses Verfahren genau? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Wie läuft die Suche ab?

Theoretisch kommt jeder Ort in Frage - "weiße Landkarte" heißt das Prinzip. Dann sortieren Experten mithilfe vorliegender Daten Regionen aus, die nicht infrage kommen - etwa, weil Erdbebengefahr besteht oder viele Menschen dort wohnen. Im nächsten Schritt werden dann Gebiete ausgewählt, die bestimmten Mindestanforderungen entsprechen. Anhand weiterer Kriterien wie etwa der Nähe zu Wohngebieten werden dann theoretisch geeignete Standorte bestimmt. Es folgt eine Erkundung über Tage, dann unter Tage. Bis 2031 soll ein Standort gefunden sein.

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Welche Orte kommen infrage?

Die hoch radioaktiven Atomabfälle sollen unterirdisch tief in einem Bergwerk entsorgt werden. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie etwa Granit in Frage. Solche Gebiete gibt es mehrere in Deutschland.

Wer entscheidet letztlich über den Standort?

Der Gesetzgeber - also Bundestag und Bundesrat, anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die sogenannte kommunale Planungshoheit wird dafür ausgehebelt. Allerdings sollen Bürger von Anfang an mitreden können und informiert werden. Ein Endlager könnte dann Mitte des Jahrhunderts fertig sein. Viele Experten halten den Zeitplan aber schon jetzt für unrealistisch.

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Ist die Entscheidung über den Standort endgültig?

Eigentlich schon. Der Müll soll aber 500 Jahre lang "rückholbar" sein, falls es Probleme gibt oder die Wissenschaft ganz neue Erkenntnisse bringt. Hintergrund dieser Entscheidung sind Erfahrungen mit dem ehemaligen Salzbergwerk Asse, dort lagern schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Es drang Grundwasser ein - deswegen sollen die 125.000 Fässer mit Atommüll nun zurückgeholt werden.

Gibt es Widerstand gegen dieses Verfahren?

Die Mehrheit für das Gesetz im Bundestag war groß, die Partei Die Linke aber sagte nein. Unter anderem bemängelt die Partei "Schlupflöcher" im Exportverbot für hoch radioaktiven Atommüll. Außerdem sollte der Salzstock Gorleben ihrer Meinung nach nicht mehr im Rennen sein - das sehen auch manche Umweltschützer und Aktivisten vor Ort so. Kritiker halten auch die Regelungen zu Bürgerbeteiligung, Rechtsschutz und Transparenz im Suchverfahren für unzureichend. Greenpeace findet es nicht richtig, dass die unterirdische Lagerung schon festgelegt ist.

Was ist jetzt mit Gorleben?

Wegen des jahrzehntelange Streits um den niedersächsischen Salzstock wurde die Endlager-Suche überhaupt erst neu gestartet. Über keinen anderen potenziellen Standort weiß man so viel wie über diesen - daher fürchten Kritiker, dass es am Ende doch wieder auf Gorleben hinausläuft.

Was passiert als nächstes in der Endlager-Suche?

Die BGE, eine GmbH im Besitz des Bundes, fragt die geologischen Landesbehörden und auch private Unternehmen nach Daten und erstellt eine Karte mit Regionen, in denen ein Endlager gebaut werden könnte - möglichst innerhalb der kommenden Legislaturperiode, also bis 2021. Wenn Unternehmen in großer Tiefe nach Wasser, Gas oder Erdwärme bohren wollen, gibt es unter Umständen ein Extra-Prüfverfahren. Denn sie könnten mögliche Standorte für ein Endlager untauglich machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.09.2017 | 06:00 Uhr

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