Stand: 14.01.2016 14:36 Uhr

Bad Bevensen: Solarbahn droht das Aus

von Lars Gröning

Nur ein leises Sirren und das war's. Mehr ist nicht zu hören, wenn die Solarbahn in Bad Bevensen eine ihrer 14 Haltestellen verlässt. Seit eineinhalb Jahren ist der kleine Elektrozug nun schon in dem Kurort unterwegs - und das mit Erfolg. Allein 2015 hatte er rund 30.000 Fahrgäste. Denn die Bahn mit den großen Fenstern ist nicht nur ein Touristenzug, sie gilt als öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) in Bad Bevensen. Darum ist sie auch bei vielen Einheimischen sehr beliebt. Vor allem bei der älteren Generation. Denn die Solarbahn ist behindertengerecht. Rollstühle und Rollatoren sind deshalb kein Problem für die Fahrgäste. Zudem ist sie abgasfrei und umweltfreundlich. Obwohl die Solarbahn so beliebt ist, droht ihr in Bad Bevensen das Aus.

Keine Solar-Bahn mehr für Bad Bevensen?

Stadt will nicht mehr Hauptfinanzier sein

Die Verträge für die Solarbahn laufen noch bis Ende Mai 2016. Besitzer Andreas Gensch hatte beim Start der Bahn im Juni 2014 einen Vertrag mit der Bad Bevensen Marketing GmbH geschlossen. Um den Betrieb der Bahn zu sichern, zahlte die Marketing GmbH 120.000 Euro. Ende Mai läuft der Vertrag nun aus. Ab Juni soll kein Geld mehr fließen.

Auch Querelen im Rat gefährden Solarbahnzukunft

Auch wenn sie wollte, die Stadt Bad Bevensen könne zurzeit gar nicht daran denken, die Solarbahn auf der bisherigen Basis zu finanzieren. Denn im Haushalt sei für den kleinen Elektrozug zu wenig Geld eingestellt worden.

Martin Feller hofft nun, dass sich die zerstrittenen Stadtpolitiker zusammenraufen werden. "Also es müsste parteiübergreifend einmal ganz klar gesagt werden: 'Wir wollen diese Solarbahn.' Und wir müssten sie eigentlich noch ausbauen."

EU weite Ausschreibung ein zusätzliches Hindernis

Dass die Solarbahn als ÖPNV gilt, könnte dem Elektrozug zum Verhängnis werden. Denn um die Verträge für das ÖPNV-Unternehmen im Juni neu schreiben zu können, hätte es eigentlich eine Ausschreibung geben müssen - und zwar eine europaweite. Die Fristen dafür sind allerdings längst verstrichen. Wenn nun doch ein neuer Vertrag mit Andreas Gensch aufgesetzt wird, bewegt sich die Stadt auf rechtlich dünnem Eis. Darum weiß in Bad Bevensen gerade niemand, wie es mit der Solarbahn weiter gehen kann. "Wir sind seit Monaten im Gespräch", sagt Björn Eichner, der für die Bad Bevensen Marketing GmbH in einer Verhandlungsrunde sitzt, die versucht eine Lösung für die Situation zu finden. "Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen."

Andreas Gensch allerdings sieht das anders. Denn von Vorschlägen der Marketing GmbH, seinen Zug mit Werbung zu bekleben, Sonderfahrten anzubieten oder die Ticketpreise zu erhöhen, damit mehr Geld in die Kasse kommt, ist er nicht begeistert. 5.000 Euro müsste er so verdienen, denn nach jetzigem Verhandlungsstand wolle die Stadt die Zuschüsse für die Solarbahn von bisher 10.000 auf 5.000 Euro im Monat kürzen. "Kann ich nicht, geht nicht, will ich nicht", sagt Gensch. "Ich bring kein Geld mit. Dann geht die Solarbahn eben woanders hin. So weh mir das tut. Denn für die Fahrgäste tut es mir leid. Das wird ein Riesenloch hier in Bevensen reißen." Im Februar wollen sich Stadt und Betreiber trotzdem noch einmal an den Verhandlungstisch setzen.

Unterschriftenaktion und Bürgerversammlung

Viele Bad Bevenser wollen ihre Solarbahn allerdings noch nicht aufgeben. Derzeit läuft in der Stadt eine große Unterschriftenaktion. Für Sonntag haben die Initiatoren zu einer Bürgerversammlung aufgerufen, um sich gemeinsam für die Solarbahn einzusetzen. Die Versammlung wird ab 15 Uhr im "Fährhaus" am Alten Mühlenweg in Bad Bevensen stattfinden.

Mit Sonnenantrieb durch Bad Bevensen

Weil sie in Lüneburg unerwünscht war, fährt sie nun durch Bad Bevensen. Am Freitag hat die neue Kurbahn den Betrieb aufgenommen - sie läuft mit Solarantrieb. (30.05.2014) mehr