Stand: 21.09.2015 10:23 Uhr

Auschwitz-Prozess: Schriftliches Urteil liegt vor

Rund zwei Monate nach dem Schuldspruch hat das Landgericht Lüneburg am Montag die schriftliche Begründung seines Urteils gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning veröffentlicht. Die schriftliche Fassung ist eine der Grundlagen dafür, ob es zu einer Revision vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe kommen wird. Anwälte und Verteidiger haben nach Angaben des Landgerichts nun einen Monat Zeit, um ihre Gründe für eine Revision auszuführen. Die komplette schriftliche Begründung ist hier im Download abrufbar.

Auschwitz-Prozess endet mit Schuldspruch

Verteidiger und Nebenkläger legen Revision ein

Neben Grönings beiden Verteidigern haben insgesamt fünf Anwälte der Nebenkläger eine Revision beantragt. Die Staatsanwaltschaft dagegen verzichtete darauf. Ziel der Verteidiger ist eine Milderung der Strafe. Einige der Nebenkläger-Anwälte wollen dagegen, dass Gröning nicht nur wegen Beihilfe, sondern als Mittäter am Massenmord angeklagt wird. Weitere Vertreter der Nebenklage haben sich der Revision angeschlossen, um im Verfahren zu bleiben. Sie wollen verhindern, dass das Strafmaß noch herabgesetzt wird.

 Vier Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord

Der 94-jährige Gröning war im Juli wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Richter befanden ihn für schuldig, durch seine Tätigkeit im Konzentrationslager Auschwitz den organisierten Massenmord an Juden unterstützt zu haben. Gröning hatte als Buchhalter Gelder der Inhaftierten verwaltet. Zudem bewachte er zeitweise an der Bahnrampe in Auschwitz-Birkenau das Gepäck der dorthin verschleppten Menschen.

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NS-Prozesse: Lüneburg hat seinen Beitrag geleistet

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Urteil wird Justizgeschichte schreiben

15.07.2015 18:40 Uhr
NDR Info

Das Landgericht Lüneburg hat den früheren SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil sei gut für alle Deutschen, findet Regine Schramm. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.09.2015 | 10:00 Uhr