Stand: 10.07.2015 08:39 Uhr

Auf Schritt und Tritt dem Wolf auf der Spur

von Ulrike Kressel

Das niedersächsische Umweltministerium hat in die Festhalle in Munster im Heidekreis eingeladen und mit reichlich Publikum gerechnet. Vierhundert Stühle stehen in der großen Halle bereit. Rund 200 Bürger kommen dann tatsächlich. Sie wollen hören, was das Umweltministerium, vertreten durch Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne), Artenschutzreferent Konstantin Knorr sowie die beiden Wolfsberater der Region, Klaus Bullerjahn und Theo Grüntjens, und die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, Britta Habbe, zu sagen haben. Wie soll die angekündigte intensive Überwachung der Wölfe in der Region konkret aussehen? Die Veranstaltung soll zudem auch ein Forum für die Sorgen und Ängste der Bürger sein - und die gehen fast ausschließlich in eine Richtung.

Unsicherheit ist groß

Seitdem Wölfe durch die Region streifen, fühlen sich viele Menschen nicht mehr sicher. "Man traut sich ja kaum noch in den Wald, um Pilze zu sammeln", so eine Wortmeldung. Andere beklagen, dass Kinder kaum noch unbeaufsichtigt draußen spielen könnten. Wieder andere fühlen sich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, sprechen von einer gefühlten Bedrohung, die zwar real nicht zu fassen, aber allgegenwärtig da sei.

"Keiner kann das Verhalten dieser Wölfe einschätzen"

Wolfsberater Theo Grüntjens versucht zu vermitteln: Die Munsteraner Wölfe verhielten sich anders als andere Wölfe. Keiner könne das Verhalten dieser Wölfe einschätzen, sagt er. Deshalb begrüße er es, dass sich das Umweltministerium dazu entschieden habe, einzelne Wölfe mit einem Sender zu versehen. Sollte sich herausstellen, dass sich Tiere wiederholt Menschen nähern oder Nutztiere töten, könne gezielt eingegriffen werden. Diese Wölfe sollen, so der Plan des Umweltministeriums, dann mit Gummigeschossen vergrämt werden.

Wolfberater gestehen Versäumnisse ein

Grüntjens macht keinen Hehl daraus, dass diese Maßnahmen schon viel früher hätten beginnen müssen: "Das hat alles viel zu lange gedauert", sagt er. "Aber jetzt geht es los." Auch Grüntjens Kollege Klaus Bullerjahn spricht Klartext: Niedersachsen sei lange den Ereignissen hinterher gerannt - jetzt habe er aber den Eindruck, dass das Land auf dem richtigen Weg sei. Mit den nun angekündigten  Maßnahmen nehme Niedersachsen sogar eine Vorreiterrolle ein, sagt er. Wenn all das, was Niedersachsen jetzt  vorhabe, mit entsprechender Geschwindigkeit auch umgesetzt werde, können die Versäumnisse der letzten Jahre wieder aufgeholt werden, so Bullerjahn.

Wolfsbüro soll es richten

Der Fokus liegt nun auf dem neu eingerichteten Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit drei Mitarbeitern: Es soll die Öffentlichkeitsarbeit verbessern - und Besitzer von nachweislich von Wölfen gerissenen Tieren schneller entschädigen. Um die DNA-Analysen schneller auswerten zu können, plant das Land nach Angaben von Staatssekretärin Kottwitz zwei Tierärzte einzustellen. Zudem wolle Niedersachsen mit einer Studie herausfinden, wie viele Wölfe in Niedersachsen leben können. Dann könne mit der Europäischen Union diskutiert werden, so Kottwitz, ob deren Vorgaben mit den niedersächsischen Interessen zu vereinbaren seien. Nach den Richtlinien der EU gehört der Wolf zu einer streng geschützten Art, die nicht bejagt werden darf.

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