Stand: 29.09.2017 21:29 Uhr

Agrarminister lehnen EU-Ökoverordnung ab

Ganze 58 Tagesordnungspunkte hatten sich die Landwirtschaftsminister und -senatoren von Bund und Ländern für ihre dreitägige Tagung vorgenommen. Von Mittwoch bis Freitag trafen sie sich zur Agrarministerkonferenz (AMK) in Lüneburg. Niedersachsen hat in diesem Jahr turnusmäßig den Vorsitz. Es gab viel zu besprechen - und bei einem Thema waren sich tatsächlich alle Landesminister einig: Sie forderten den Bund auf, sich gegen die EU-Ökoverordnung auszusprechen.

Meyer: "Völlig unsinnige Regelungen"

Die von der EU geplante Überarbeitung der Verordnung sei eine Farce, weil sie mit mehr Bürokratie und Aufwand für Ökobauern verbunden sei, sagte der AMK-Vorsitzende und niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Die Überarbeitung würde zu massiven Rückschritten führen, so Meyer: "Es käme zu völlig unsinnigen Regelungen, wonach etwa das Schnabelkürzen bei Legehennen im Ökolandbau wieder erlaubt sein würde." Die Ökoverordnung der EU soll von 2020 an vereinheitlichte Standards für den Anbau und Import von Bioprodukten vorgeben.

Keine Beschlüsse über Glyphosat und Sauenhaltung

In Bezug auf den Einsatz von Glyphosat kam keine Einigung zustande. Demnächst steht eine Entscheidung der EU an, ob die Zulassung des Pflanzenschutzmittels erneuert werden soll - einer der Punkte, den Meyer zuvor als Schwerpunkt der AMK benannt hatte. Ebenso wichtig war ihm ein Ende der Sauenhaltung in Kastenständen - dieses Thema wurde von der Tagesordnung genommen. Grundsätzlich stehe aber der frühere Beschluss, die Haltung der Sauen zu verbessern, betonte Meyer.

Schweinehaltung in Gefahr?

Sorgen bereitet den Agrarverantwortlichen die Afrikanische Schweinepest. "Wenn wir hier nicht sofort intensive Maßnahmen einleiten und das zu einer nationalen Aufgabe machen, werden wir irgendwann uns darüber zu unterhalten haben, ob es noch Schweinehaltung geben wird", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus, Sprecher der SPD-geführten Länder. Der Bund sei gefordert. Reiseverkehr und Warentransport könnten zur Verbreitung beitragen, so die Warnung. Backhaus und sein Amtskollege aus Baden-Württemberg und Koordinator der CDU-geführten Länder, Peter Hauk (CDU), wollen auch die Wildschwein-Population begrenzen. Wildschweine können die Krankheit übertragen.

Milchbauern helfen, neuer Krise vorbeugen

Des Weiteren wollen die Agrarminister die Milchbauern weiter unterstützen. Die freiwillige Mengenreduzierung habe den Markt entlastet, sagte Meyer. Eine neue Krise sei jedoch nicht ausgeschlossen. Er wünscht sich eine Vielzahl von Kriseninstrumenten auf europäischer Ebene.

Weitere Informationen

Meyer: EU-Fördermodell für Bauern völlig veraltet

Das Bauern-Fördermodell der EU gehöre in die Mottenkiste, kritisiert Christian Meyer. Niedersachsens Landwirtschaftsminister ist Vorsitzender der Agrarministerkonferenz in Lüneburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 29.09.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:58

Haftstrafe im Prozess um getötete Millionärin

19.10.2017 16:00 Uhr
NDR//Aktuell
03:15

Klinik-Apotheken: Medikamente werden knapp

18.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:01

Emden bleibt Scheidungs-Hochburg

18.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen