Stand: 31.08.2017 19:55 Uhr

Ab 2018 überwachen Kameras den Metronom

Pöbelnde Betrunkene, randalierende Jugendliche, Handgreiflichkeiten gegen das Personal: In deutschen Bussen, Bahnen und Zügen kann man so einiges erleben. Um die Sicherheit in den Zügen der Eisenbahngesellschaft Metronom zu erhöhen, will die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) ab dem kommenden Jahr die Züge auf der Strecke zwischen Hannover und Hamburg schrittweise mit Videokameras ausrüsten.

Metronom setzt auf abschreckende Wirkung

"Kameras bringen mehr Sicherheit für die Fahrgäste und auch für die Mitarbeiter", sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. "Daher begrüßen wir das sehr, wenn die Entwicklung in diese Richtung geht." Pamperin glaubt, dass die Überwachung Taten im Zug verhindern kann, "weil ein potenzieller Straftäter zumindest das Bewusstsein haben könnte, er wird gesehen, es wird aufgezeichnet. Das schreckt den einen oder anderen hoffentlich ab." Zum anderen seien die Bilder aus der Videokamera wichtig zur Aufklärung von Straftaten und zur Identifizierung von Verdächtigen.

Pro Bahn mahnt: Keine Bewegungsprofile erstellen

Eine ähnliche Einschätzung kommt vom Fahrgastverband Pro Bahn. Bei der Abschreckung und Identifizierung sollten Kameras aber nicht das einzige Mittel sein, so Sprecher Birger Wolter. So seien in Metronom-Zügen bereits jetzt mehr Zugbegleiter und Sicherheitspersonal unterwegs. Wichtig ist nach Ansicht des Fahrgast-Vertreters auch die Wahrung des Datenschutzes. Die Aufzeichnungen dürften nicht über längere Zeit gespeichert und nur herangezogen werden, wenn eine Straftat begangen wurde. Auf keinen Fall dürften Bewegungsprofile erstellt werden.

Datenschutzbeauftragte will genau hinsehen

Probleme mit dem Datenschutz sieht Pamperin nicht: Nur Polizeibehörden könnten die Aufnahmen auslesen. Dieses Verfahren entspreche den gesetzlichen Regelungen, sagte auch ein Sprecher der LNVG. Nach 72 Stunden würden die Aufzeichnungen zudem gelöscht. Bisher hat auch die Landesbeauftragte für den Datenschutz, Barbara Thiel (CDU), keine Kritik an den Kameras geäußert. Man werde aber aufmerksam hinschauen, kündigte ihr Sprecher Jens Thurau an.

Jahrelanger Streit um Überwachung in Hannovers Stadtbahn

Sollten sich Fahrgäste über die Kameras beschweren, werde die Datenschutzbeauftragte aktiv werden. So geschehen bei der Üstra in Hannover: Bei den hannoverschen Verkehrsbetrieben wollte die Datenschutzbeauftragte wie zuvor ihr Vorgänger auf Beschwerden hin eine dauerhafte Überwachung verbieten lassen. Die Üstra wehrte sich. Der Fall beschäftigt mittlerweile seit mehreren Jahren die Gerichte - in der kommenden Woche soll nun das Oberverwaltungsgericht entscheiden.

Weitere Informationen

Datenschützer warnen vor mehr Videoüberwachung

Niedersachsens Datenschutzbeauftragte Thiel spricht sich gegen eine Ausweitung der Videoüberwachung aus. In aktuellen Forderungen nach mehr Kameras stecke auch viel Aktionismus. (27.12.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2017 | 16:00 Uhr

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