Stand: 10.09.2014 21:32 Uhr

AKW Stade: Rätselraten über Strahlungsleck

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Der radioaktiv belastete Bauschutt muss auf einer Deponie entsorgt werden.

Über die am stillgelegten Atomkraftwerk Stade festgestellte erhöhte Radioaktivität wird weiter spekuliert. Auch am Tag nachdem das niedersächsische Umweltministerium mit der Nachricht über die strahlende Kondensnässe im Betonsockel des Reaktorgebäudes an die Öffentlichkeit ging, können Experten aus dem Ressort nicht erklären, wann es zu der Kontamination des Bauteils kam. Am Mittwoch machte das Ministerium deutlich, dass beim Rückbau, der sich nun um mindestens drei Jahre verzögern könnte, möglicherweise mehr radioaktiver Abfall anfallen werde. Der radioaktiv belastete Bauschutt müsste entsprechend der Strahlenschutzverordnung auf einer Deponie entsorgt werden.

Opposition rügt Vorgehen des Ministeriums

Unterdessen kritisierte die Opposition im Landtag die Vorgehensweise der rot-grünen Landesregierung. Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Martin Bäumer, nannte das seiner Ansicht nach zu späte Handeln von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) "merkwürdig". Immerhin habe das Ministerium seit Februar von der erhöhten Radioaktivität am Stader Reaktor gewusst. Das Ministerium wies die Kritik zurück. Unterdessen sucht der Kraftwerksbetreiber E.ON nach einer Deponie für den radioaktiven Bauschutt. Stades Bürgermeisterin, Sylvia Nieber (SPD), machte unterdessen deutlich, dass für sie beim Rückbau Sicherheit vor Schnelligkeit geht.

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Bauschutt aus AKW Stade sorgt für Proteste

Der radioaktiv unbelastete Bauschutt des stillgelegten Atomkraftwerks Stade landet auf einer Sondermülldeponie in Sachsen. Dort wehren sich die Menschen gegen die Lagerung. Bildergalerie

Erhöhte Radioaktivität im Februar gemessen

Am Dienstag wurde bekannt, dass bei Abrissarbeiten auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks bereits im Februar die erhöhte Radioaktivität festgestellt worden war und sich der Rückbau des Meilers, der vor 42 Jahren in Betrieb ging, möglicherweise um Jahre verzögern werde. Ursprünglich war geplant, mit den Arbeiten bis Ende 2014 fertig zu sein. Der Kraftwerksbetreiber E.ON hatte zuvor ein neues Konzept für den Rückbau des Meilers an der Elbe bei der Atomaufsicht vorgelegt.

Aufwendige Demontage

Bereits am Dienstag war darüber spekuliert worden, ob möglicherweise schon während des Betriebs des Reaktors Flüssigkeit aus dem primären Kühlkreislauf ausgetreten sei. Doch erst bei den Rückbauarbeiten habe man die Verstrahlung gemessen, erklärte Umweltminister Wenzel. Bevor der Sockel entsorgt werden kann, muss er allerdings aufwendig in rund 20 Tonnen schwere Blöcke zerlegt werden.

Wirbel um Stader Bauschutt in Sachsen

Andernorts sorgt der beim Rückbau des Kraftwerks entstehende unbelastete Bauschutt für Proteste. Denn die geschredderten Betonreste werden nicht auf einer Deponie in Niedersachsen, sondern in Sachsen entsorgt. Begleitet von Protesten traf am Dienstag der erste Lastkraftwagen mit 22 Tonnen Bauschutt in Grumbach bei Dresden ein. Die Anwohner dort befürchten, dass der Schutt möglicherweise radioaktiv kontaminiert sein könnte.

Betonreste auf Strahlung untersucht

Insgesamt sollen 700 Tonnen Bauschutt aus Stade auf die sächsischen Sondermülldeponie gebracht werden. Ursprünglich war sogar geplant, dass rund 2.000 Tonnen dort gelagert werden sollten. Doch angesichts des wochenlangen Widerstands in der Bevölkerung ließ das sächsische Umweltministerium die erste Schuttlieferung auf Radioaktivität prüfen. Laut dem Ministerium liegt nun die zu erwartende Strahlenbelastung durch den Bauschutt für Beschäftigte auf der Deponie oder für Anwohner in der Umgebung auch unter ungünstigsten Umständen unter dem sogenannten Bagatellwert von 10 Mikrosievert pro Jahr. Damit sei der Bauschutt gesundheitlich unbedenklich.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.09.2014 | 19:00 Uhr