Stand: 02.10.2015 19:41 Uhr

2.000 Jahre alte Öfen bei Immenbeck entdeckt

von Lars Gröning

"Klein, aber sehr fein", sagt Buxtehudes Stadtarchäologe Bernd Habermann sichtlich stolz. Das, was die Archäologen in der Nähe von Immenbeck im Landkreis Stade derzeit aus der Erde holen, findet man wahrlich nicht alle Tage. Es sind 2.000 Jahre alte Brennöfen. Bislang haben die Archäologen drei Stück gefunden. Sie stehen nah beieinander und sind zum Teil sehr gut erhalten. Das ist für die Fachleute ein seltenes Glück.

Öfen wurden offenbar nur wenige Male benutzt

Zur Zeit des römischen Kaiserreiches waren es vermutlich Bauern aus dem Volk der Langobarden, die in den Öfen bei 800 bis 900 Grad Celsius ihre Gebrauchskeramik brannten. "Es waren Tontöpfe mit dicken Wänden", sagt Habermann. "Darin wurde gekocht oder es wurden Lebensmittel aufbewahrt." Von den Öfen ist in dem Grabungsfeld jeweils nur der untere Teil zu finden. Die Brennstellen sind nur wenige Male benutzt worden, vermuten die Archäologen. Denn die Feldsteine, aus denen sie gebaut wurden, sind nicht geplatzt. Das zeige, dass die Öfen wahrscheinlich nicht oft den hohen Brenntemperaturen ausgesetzt waren, so die Experten.

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Fundstelle verschwindet wieder

Rund um die Öfen und ebenfalls entdeckte Überreste eines Wohnhauses vermuten die Forscher weitere Gebäude. Diese werden allerdings vielleicht nie gefunden. Denn die Grabungen finden nur dort statt, wo gebaggert wird: Das Gelände wird für den Bau von drei Windkraftanlagen vorbereitet. Wo jetzt die Überreste der Öfen zum Vorschein kamen, wird bald eine Zufahrtsstraße gebaut.

Das Gebiet rund um Immenbeck ist reich an archäologischen Funden aus den verschiedensten Epochen der Geschichte. Eine große Siedlung, die wahrscheinlich rund 2.200 Jahr alt ist, haben die Forscher vor längerer Zeit auf dem sogenannten Hamburger Berg entdeckt. Ob sie mit den aktuellen Funden in Zusammenhang zu bringen ist, wollen die Forscher nun herausfinden. Beide Grabungsstellen sind nur einen Kilometer voneinander entfernt.

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