Stand: 04.10.2017 14:35 Uhr

Unruhe bei AfD: Guth fliegt aus Kreistagsfraktion

Nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in Niedersachsen kehrt bei der AfD keine Ruhe ein. In einer Sitzung am vergangenen Freitag hat die AfD-Fraktion im Göttinger Kreistag Dana Guth, Kreisvorsitzende der Partei und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, mit sofortiger Wirkung ausgeschlossen. Einen entsprechenden Bericht des "Göttinger Tageblatts" bestätigte Guth dem NDR. Sie selbst sei bei der Sitzung nicht dabei gewesen und nennt diesen Schritt einen "ungeheuerlichen Vorgang". Noch am Mittwoch will die Politikerin beim Göttinger Verwaltungsgericht Klage einreichen.

"Sie ist ein Alphatier"

Es gebe zu große Diskrepanzen bei der Zusammenarbeit innerhalb der Fraktion, erklärte der Fraktionsvorsitzende Frank Rathmann zu den Gründen des Rauswurfs im Gespräch mit dem NDR. Konkret geht es dabei offenbar mehr um den Umgang als um Inhalte. Guth sei ein Alphatier, sei rechthaberisch, werde laut, wenn man nicht ihrer Meinung sei. Außerdem versuche sie, das Kommando an sich zu reißen, so Rathmann weiter. "Das wollen wir uns nicht weiter gefallen lassen."

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Guth: Fraktion verstößt gegen Geschäftsordnung

Die Spitzenkandidatin wirft ihren übrigen Fraktions-Kollegen, also Rathmann und Gabriel Kesten, hingegen Untätigkeit in der Fraktionsarbeit vor. An den Vorwürfen sei nichts Substanzielles dran. Sie hält ihren Rauswurf für ein Störfeuer vor der Wahl. Man wolle das Ergebnis in knapp zwei Wochen torpedieren. Warum das ausgerechnet aus der eigenen Partei kommt, könne sie sich nicht erklären. Ihr zufolge hat die Fraktion gegen die Geschäftsordnung verstoßen. So habe die Ladefrist für die Fraktionssitzung weniger als 24 Stunden betragen, außerdem sei sie zu dem Termin verhindert gewesen und habe keine Möglichkeit gehabt, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Sollte der Rausschmiss rechtmäßig sein, will Guth im Kreistag bleiben - dann eben ohne einer Fraktion anzugehören.

Landes-AfD-Chef Hampel: "Der hat eine Macke"

Sollte sie vor Gericht scheitern und fortan nicht mehr Teil der Fraktion im Kreistag sein, hätte das auf ihre Stellung auf Platz eins der Landesliste keinerlei Auswirkung, heißt es bei der Landeswahlleitung. Was der Gegenwind für Guth auf kommunaler Ebene so kurz vor der Wahl des Landesparlaments aber parteiintern und für die Wähler bedeutet, bleibt abzuwarten. Der AfD-Landesvorsitzende Paul Hampel jedenfalls findet klare Worte zum Verhalten der Fraktion in Göttingen und ihrem Vorsitzenden Rathmann: "Das geht gar nicht. Der hat eine Macke", sagte er dem "Tageblatt". Tage vor der Landtagswahl beschädige man nicht die Spitzenkandidatin. Die junge AfD müsse noch lernen, wie eine Partei zu funktionieren habe. Guth bekomme jede Unterstützung von ihm - obwohl Guth zu Hampels Kritikern gehört.

Erst Niederlage, dann Spitzenkandidatur

Guth hatte im März dieses Jahres in einer Kampfabstimmung um den AfD-Landesvorsitz gegen Hampel verloren. Ihm werfen einige Parteimitglieder einen autoritären Führungsstil vor. Guth forderte einen Landesvorsitzenden, der "alle an einen Tisch holt und die Partei eint" - und sah das ganz offenbar nicht in Hampel. Fünf Monate später wurde Guth, die seit 2016 Mitglied der AfD ist, beim Parteitag zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl gewählt.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 04.10.2017 | 18:00 Uhr

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