Stand: 24.01.2016 20:00 Uhr

Soldatin kämpft gegen Islam-Feindlichkeit

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Nariman Reinke ist in Hannover geboren, ihre Eltern stammen aus Marokko.

Irgendwann wurde es Nariman Reinke zu viel. Nach den Übergriffen in Köln in der Silvesternacht wurde die in Hannover geborene Bundeswehrsoldatin mit marokkanischen Wurzeln auch in ihrem eigenen Bekanntenkreis immer häufiger mit islamfeindlichen Witzen konfrontiert. Also schrieb die 36-jährige Muslima einen langen Eintrag auf Facebook: Eine flammende Rede, in der sie ihre eigene Geschichte erzählt und dazu aufruft, sich nicht von Vorurteilen vereinnahmen zu lassen. Das Posting machte die 36-Jährige auf einen Schlag bundesweit bekannt: Mehr als 19.000 Mal haben Internetnutzer "Gefällt mir" geklickt, rund 9.500 Mal wurde der Text geteilt.

"Moral ist keine deutsche Errungenschaft"

"Meine Eltern kommen aus Marokko. Wenn ich höre, dass manche der Verbrecher von Köln aus Marokko kommen sollen, wird mir schlecht", schreibt die Soldatin in dem besagten Beitrag. Es gebe dafür weder eine marokko- noch eine islamspezifische Entschuldigung oder Erklärung. "Ich kann es trotz meines Migrationshintergrundes und meiner Religion nicht nachvollziehen, wenn Frauen vergewaltigt werden - egal von wem", heißt es weiterhin. Moral sei keine deutsche Errungenschaft, bei der man nochmal nachfragen müsste, ob sie schon bei Zugewanderten verfügbar sei." Von ihrer Familie erfuhr Reinke, dass ihr Facebook-Beitrag inzwischen ins Arabische übersetzt und auch in Marokko veröffentlicht wurde.

Politisches Engagement im Landtag

Reinke ist derzeit beim Bataillon Elektronische Kampfführung im rheinland-pfälzischen Daun stationiert. Zweimal war sie als Übersetzerin in Afghanistan im Einsatz. Bei einem Einsatz für das Landeskommando Bremen sprach sie im Sommer mit vielen traumatisierten Neuankömmlingen aus Syrien. Die 36-Jährige ist in dem Verein "Deutscher.Soldat" aktiv, der von Offiziersanwärtern aus Migrantenfamilien gegründet wurde und sich für Flüchtlinge in Deutschland einsetzt. Außerdem engagiert sie sich politisch: Als Mitglied der Kommission zu Fragen der Migration und Teilhabe im Niedersächsischen Landtag. Ein wichtiges Anliegen sei ihr, so Reinke, "unsere Willkommenskultur zu schützen."

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Hallo Niedersachsen | 24.01.2016 | 19:30 Uhr