Stand: 27.01.2016 21:42 Uhr

Demo in Barsinghausen nach Brandanschlag

In Barsinghausen (Region Hannover) sind am Mittwochnachmittag rund 1.500 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gegangen. Die Demonstration war die Antwort auf den Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft am 23. Januar. Die Teilnehmer zogen vom Bahnhof zum beschädigten Rohbau der Unterkunft. Zu der Aktion unter dem Motto "Für unser Barsinghausen: weltoffen, mitfühlend und hilfsbereit" hatte das Bündnis "Barsinghausen ist bunt" aufgerufen. Es setzt sich aus Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden zusammen. Bereits am Mittwochmorgen hatten die Schulen der Stadt an der Baustelle eine Mahnwache abgehalten.

Barsinghausen wirbt für Weltoffenheit

Pistorius: Anschlag ist "widerwärtig"

Die Polizei hat bislang keine Hinweise darauf, wer das Feuer im Rohbau gelegt hat. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) spricht im Zusammenhang mit der Tat von einer neuen Qualität: "Wir haben es hier mit einer massiven kriminellen Energie zu tun", sagte der Minister am Montag in Hannover. Den entstandenen Schaden beziffert die Polizei mit rund 100.000 Euro. Pistorius kündigte harte Strafen an: "Der oder die Täter wollten das Gebäude vollständig zerstören, um zu verhindern, dass Menschen nach ihrer Flucht vor Krieg oder Verfolgung einen Ort der Zuflucht finden", sagte er. "Das ist widerwärtig und kaum in Worte zu fassen."

Brandstifter wollten offenbar Explosion herbeiführen

Bei den Löscharbeiten war die Feuerwehr in dem Gebäude auf mehrere geöffnete Gasflaschen gestoßen. Die Brandstifter sollen diese gezielt aufgeschraubt haben - mutmaßlich, um eine schwere Explosion herbeizuführen. Den Einsatzkräften gelang es jedoch, die Flaschen unter Lebensgefahr ins Freie zu bringen und abzukühlen. Eine vorbeifahrende Autofahrerin hatte am Sonntagmorgen den aufsteigenden Rauch am Rohbau bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Im Erdgeschoss und im Obergeschoss des Gebäudes brannte die Dämmung der Fußbodenheizung. Im Erdgeschoss waren sämtliche Fenster eingeschlagen, außerdem war ein Baucontainer auf dem Gelände aufgebrochen. Die frostigen Temperaturen erschwerten die Löscharbeiten: Das Löschwasser gefror und verwandelte die Einsatzstelle zeitweise in eine Eisfläche.

Stadt hält an Unterkunft fest

"Ich schäme mich dafür, dass so etwas auch bei uns in Niedersachsen immer wieder passiert", sagte Ministerpräsident Stephan Weil nach dem Anschlag. 2015 hatte es in Niedersachsen insgesamt acht Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Die Stadt Barsinghausen hält derweil an den Plänen für die Unterkunft fest. "Es bestärkt uns, weiter an unserem gesellschaftlichen Konsens zur Lösung der Flüchtlingsaufgabe zu arbeiten", sagte Bürgermeister Marc Lahmann (CDU). "Wir werden uns auch unter veränderten Randbedingungen weiter dieser Aufgabe stellen", hieß es in einer Stellungnahme der Stadt.

Hintergrund

Gewalt gegen Flüchtlinge - ein wachsendes Problem?

Zum ersten Mal werden in Niedersachsen Zahlen zu Straftaten gegen Flüchtlinge erfasst - und solche, die von Flüchtlingen verübt werden. Bringen Statistiken mehr Sachlichkeit? (03.11.2015) mehr

Die rechte Szene in Norddeutschland - Was tun?

NSU, NPD, Pegida - wir haben die rechte Szene im Norden im Blick, analysieren Strukturen und geben Tipps, was Sie gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit tun können. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 27.01.2016 | 17:00 Uhr

Anschlag in Salzhemmendorf: Prozessbeginn im Februar

Nach dem Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf müssen sich die mutmaßlichen Täter ab Februar vor Gericht verantworten. Ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen. (21.01.2016) mehr

Pistorius: Flüchtlinge nicht häufiger kriminell

Innenminister Pistorius hat im Landtag zu einer sachlichen Debatte über kriminelle Asylsuchende aufgerufen. Gleichzeitig blickte er mit Sorge auf die steigenden Straftaten gegen Flüchtlinge. (21.01.2016) mehr