Stand: 16.06.2014 14:10 Uhr

Wasserstadt: Die Wellen schlagen hoch

Früher wurden hier Gummigemische hergestellt und zu Reifen verarbeitet, in ein paar Jahren sollen zwischen dem Stichkanal Linden und dem Leineabstiegskanal Menschen in einem nagelneuen Stadtteil leben: Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Continental AG in Hannover-Limmer ist die Wasserstadt geplant, ein modernes Wohn- und Arbeitsquartier für bis zu 5.000 Einwohner. Der erste Bauabschnitt könnte in drei bis vier Jahren fertig sein. So hätte es zumindest die Stadt Hannover gerne, um dem Problem der immer knapper werdenden Wohnungen im Bezirk Linden-Limmer etwas entgegen zu setzen. Anfang Februar hatte sie ihre neuen Pläne vorgestellt, nachdem über ein Jahrzehnt lang alle Planungen deutlich weniger Anwohner vorgesehen hatten. In Limmer regt sich dagegen aber Widerstand.

Von der Industriebrache zum modernen Wohnviertel

Limmeraner wollen Mitspracherecht

Viele Menschen, die bereits in Limmer wohnen, fühlten sich überrumpelt, als Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann das neue Ziel präsentierte. Sie fürchten eine übermäßige Verdichtung ihres Stadtteils. "Der Bau der Wasserstadt an sich ist nicht das Problem", so Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. "Aber wenn die Pläne der Stadt wirklich umgesetzt werden, haben wir hier eines der am dichtesten besiedelten Stadtgebiete in ganz Europa." Um das zu verhindern, ist seit einigen Monaten die "Bürgerinitiative Wasserstadt Limmer" aktiv. Ihre Mitglieder kämpfen für ein Mitspracherecht bei der Planung ihrer neuen Nachbarschaft. BI-Mitbegründer Thomas Berus fürchtet "gigantische Dimensionen" und chaotische Zustände auf den Zufahrtsstraßen zur Wasserstadt.

Öffentliche Diskussionen über die Wasserstadt

Einige Menschen seien immer noch regelrecht geschockt vom Vorhaben der Stadt. Mit lokalen Politikern steht die BI in ständigem und gutem Kontakt, berichtet Thomas Berus. Ein offener Brief an den Stadtbaurat sei aber unbeantwortet geblieben. Die Bürgerinitiative fordert darin nicht nur mehr öffentliche Informationsveranstaltungen für alle interessierten Bürger, sondern unter anderem auch einen neutralen Anwaltsplaner und offene Workshops zu inhaltlichen Fragen der geplanten Bebauung auf dem alten Conti-Gelände.

Gute Ideen sind gerne gesehen

Wie die Stadt Hannover zur stärkeren Einbindung der Anwohner steht, ist noch nicht klar. Sprecher Alexis Demos erklärte, man arbeite derzeit an einem Konzept für die Bürgerbeteiligung. Das wolle Uwe Bodemann aber erst dem Bezirks- und Stadtrat vorstellen, bevor die Öffentlichkeit davon erfährt. Darüber hinaus wollte er keine Angaben zum Stand der Wasserstadt-Pläne machen. Geht es nach den zuständigen Projektentwicklern der Wasserstadt Limmer, sollen sich die Bürger gerne einmischen. Martin Pietsch, der im Auftrag des Investors Günter Papenburg den neuen Stadtteil plant, will ihn so bauen, "dass die Menschen auch wirklich hierher wollen." Deshalb seien gute Ideen aus der Bevölkerung immer willkommen. Martin Pietsch geht von Diskussionen zwischen den Bürgern und der Stadt ab September aus, die BI hofft auf einen Start des Ideenaustauschs noch vor der politischen Sommerpause Ende Juli. Dafür müsste sich die Stadt allerdings bald zu ihren Vorstellungen der Bürgerbeteiligung äußern.