Stand: 07.12.2017 16:37 Uhr

Zwölf Monate Wartezeit für Rheuma-Patienten

von Antje Schmidt

Nicole A. ist 19 Jahre alt und hat undefinierbare Schmerzen in den Muskeln und Gelenken. Ihr Hausarzt vermutet Rheuma und überweist die Patientin an einen Facharzt. So weit, so gut. Doch dann beginnt für die junge Frau eine Odyssee per Telefon. Sie findet keinen Rheumatologen, der ihr einen Termin geben will und kann. Die meisten Rheumatologen in ihrer Region haben einen Aufnahmestopp und sind mehr als ein Jahr im Voraus ausgebucht. Nicole erhofft sich Unterstützung von ihrer Krankenkasse, die bei Terminen mit Fachärzten hilft. Doch auch die Krankenkasse kann nichts für sie ausrichten.

Eine Excel-Tabelle mit der Überschrift "Rheuma.Vor". © NDR

Unterversorgung von Rheumapatienten

Hallo Niedersachsen -

Gerade in ländlichen Regionen haben es Rheumapatienten schwer, einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Ein neues Projekt der MHH in Hannover soll jetzt Abhilfe schaffen.

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"Das ist viel zu lange"

Das ist kein Einzelfall. Etwa neun bis zwölf Monate müssen Patienten mittlerweile vom Emsland über Friesland bis zur Lüneburger Heide auf einen Termin beim Rheumatologen warten. "Das ist viel zu lange", warnen Experten wie Professor Werner Mayet vom Nordwestkrankenhaus in Sande. "In dieser Zeit kann die Krankheit sehr voranschreiten." Er mahnt, dass Patienten mit Verdacht auf eine entzündliche rheumatische Erkrankung nach spätestens zwei Monaten Medikamente benötigen. "Nur so können bleibende Gelenkschäden vermieden werden", sagt er. Der Rheumatologe hat seine ambulante Sprechstunde in der Klinik im friesischen Sande bereits logistisch optimiert. Bei ihm bekommen nur noch Patienten mit entzündlichen Rheuma-Erkrankungen einen Termin. Patienten mit verwandten Erkrankungen wie etwa Arthrose werden zum Orthopäden überwiesen. "Für den einzelnen Menschen bleibt kaum noch Raum", sagt er und ruft den nächsten Patienten auf.

Pro Jahr 10.000 bis 15.000 neue Patienten

Mehr als 160.000 Menschen leiden in Niedersachsen an einer sogenannten entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Jedes Jahr kommen 10.000 bis 15.000 Patienten dazu. Je mehr Zeit zwischen Diagnose und Behandlung vergeht, desto teurer und belastender für den Patienten wird die Therapie. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist nun das Projekt "Rheuma-Vor" an den Start gegangen. Damit soll die Wartezeit erheblich verkürzen werden. Hausärzte können die Untersuchungsergebnisse von Patienten bei Verdacht auf Rheuma direkt an die MHH weiterleiten. Dort schauen sich Rheumatologen die Werte an und entscheiden dann, wie dringlich eine Untersuchung beim Facharzt ist. Sollte ein Patient in seiner Region keinen Termin beim Rheumatologen bekommen, wird er in der MHH untersucht. Seit dem Start Ende Oktober gibt es mehr als 100 Anfragen von niedergelassenen Ärzten, die Patienten mit starken Beschwerden haben. "So können wir hoffentlich diejenigen herausgreifen, die eine schnelle Behandlung benötigen", sagt der Leiter des Projekts Prof. Reinhold E. Schmidt.

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1,3 Millionen Euro vom Bund

Auch die Kassenärztliche Vereinigung in Niedersachsen (KVN) dockt an das Projekt an. "Wir sind froh, wenn Patienten nicht mehr so lange warten müssen", sagt Sprecher Uwe Köster. Die KVN bietet Patienten seit Januar 2016 zwar eine Facharztvermittlung an, doch im Bereich Rheumatologie kann auch sie keine Beschleunigung ermöglichen. Das Projekt „Rheuma-Vor“ wird vom Bund mit 1,3 Millionen Euro finanziert. Es läuft auch in Rheinland-Pfalz.  Hier gibt es bereits erste Ergebnisse: So schrumpfte die Zeitdauer vom Besuch beim Hausarzt bis zur Diagnosestellung beim Rheumatologen auf 23 Tage.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 07.12.2017 | 19:30 Uhr

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