Stand: 13.08.2017 16:29 Uhr

Weil weist Bericht über Untreue bei VW zurück

Erneut ist die Rolle der niedersächsischen Politik und konkret die von Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD) bei VW Gegenstand eines Schlagabtauschs. Weil weist Vorwürfe eines Berichts der "Bild am Sonntag" (BamS) zurück, er habe nach einem Untreue-Verdacht durch den damaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch keine rechtlichen Schritte eingeleitet. Der Untreue-Verdacht, der sich laut BamS aus einem von Piëch in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten ergeben haben soll, bezieht sich auf "Nebenleistungen" wie die Nutzung von Firmenjets und Mieten für Vorstände weit unter dem marktüblichen Niveau. Diese Vorgänge an sich sind im Prinzip großteils bekannt. Die BamS berichtet nun aber, dass mit dem von Piëch bestellten Gutachten der strafrechtlich relevante Vorwurf der Untreue im Raum gestanden habe - und niemand habe etwas unternommen. Fast alle Vorstandsmitglieder hätten Firmengelder veruntreut. Piëch habe das Gutachten dem Aufsichtsratspräsidium bei einer Sitzung im Jahr 2014 vorlegt.

Weil: Keine Hinweise auf strafbare Handlungen

Weil sagte am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Es hat in den damaligen Präsidiumssitzungen keine Hinweise auf strafbare Handlungen gegeben, da sind sich fünf von sechs der damaligen Präsidiumsmitglieder sicher, nur ein ehemaliges Mitglied möchte sich offenbar anders erinnern." Er fügte hinzu: "Hätte es damals irgendwelche Hinweise auf strafbare Handlungen gegeben, wäre ich als Jurist natürlich hoch alarmiert gewesen und hätte eine detaillierte juristische Überprüfung verlangt." Mitglieder des Aufsichtsrats-Präsidiums waren damals neben Piëch und Weil etwa Betriebsratschef Bernd Osterloh und Wolfgang Porsche. Piëch war im April 2015 nach einem internen Machtkampf zurückgetreten.

Kommentar

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VW: Untreueverdacht war kein Thema

Auch VW dementiert: In den von Piëch unterzeichneten Protokollen der Sitzungen finde sich weder ein Untreue-Vorwurf noch ein Untreue-Verdacht. Nach VW-Angaben wurde bereits im November 2013 im Präsidium grundsätzlich über das Thema Nebenleistungen und eine Aktualisierung des Nebenleistungskatalogs gesprochen. Zudem sei das Thema in zwei weiteren Sitzungen im Februar 2014 im Präsidium erörtert worden. "Falsch ist, dass in einer Präsidiumssitzung ein Untreue-Vorwurf erhoben wurde." In Konzernkreisen hieß es laut dpa, ein Untreue-Verdacht sei auch an anderer Stelle, etwa mündlich, kein Thema gewesen. Bereits im vergangenen Dezember wurde darüber informiert, dass VW-Vorstände im Jahr 2014 nach internen Beratungen Reisekosten zurückgezahlt haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.08.2017 | 14:00 Uhr

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