Stand: 18.06.2017 10:37 Uhr

Videoaussagen auch für erwachsene Opfer geplant

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Bei der Videoaussage werden die Opfer in einem Nebenraum vor einer Kamera vernommen.

Für Opfer schwerer Verbrechen ist es fast immer eine große Qual, wenn sie im Prozess vor den Augen des Täters vernommen werden. Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) setzt sich deshalb dafür ein, dass die Betroffenen ihre Aussagen zukünftig auch per Video machen können. Auf der Justizministerkonferenz am 21. und 22. Juni will sie für die bundesweite Umsetzung einer entsprechenden Landesinitiative werben. "So ein Verfahren erspart den Opfern peinliche Auftritte im Gerichtssaal", sagte Niewisch-Lennartz.

Verfahren soll auf Erwachsene ausgeweitet werden

Die Initiative zielt in erster Linie auf erwachsene Opfer von Sexualstraftaten. Bei Minderjährigen wird das Verfahren im Rahmen des "Braunschweiger Modells" bereits seit 2010 praktiziert. Künftig sollen auch Erwachsene bei Gerichtsverhandlungen in einem Nebenraum vor laufender Videokamera vernommen werden können. Die Justiz erhofft sich eine bessere Qualität der Aussagen und höhere Verurteilungsraten, wenn die Opfer ihren Peinigern nicht begegnen oder durch die Kulisse vor Gericht eingeschüchtert werden.

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Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht will Hamburgs Justizsenator das Sexualstrafrecht per Bundesratsinitiative grundsätzlich reformieren. Video (01:37 min)

Beschleunigung der Verhandlung

"Das verkürzt nicht nur die Hauptverhandlung, sondern erspart auch eine zweite Traumatisierung des Opfers", sagte Frank Bornemann, der Vorsitzende des niedersächsischen Richterbundes. Die Erfahrung zeige, dass viele Angeklagte auf eine erneute Vernehmung in der Hauptverhandlung verzichteten, wenn bereits eine Aussage des Opfers vorliege. Voraussetzung für eine bundesweite Ausdehnung dieses Modells sei allerdings eine hieb- und stichfeste Ton- und Videoaufzeichnung.

Weisser Ring begrüßt die Pläne

Auch der Opferverband Weisser Ring steht hinter diesem Schritt. "Aus unserer Sicht ist das natürlich zu begrüßen. Ich würde mir wünschen, dass andere Bundesländer das auch einführen", sagte der Landesvorsitzende des Weissen Rings in Niedersachsen, Rainer Bruckert. Allerdings sei in der praktischen Umsetzung noch viel Überzeugungsarbeit bei den Richtern zu leisten. Außerdem werfe das neue Verfahren rechtliche Fragen auf. "Das Auftreten eines Opfers vor Gericht ist eine Säule unseres Rechtssystems. Das aufzuweichen, dürfte auch verfassungsrechtliche Bedenken auslösen", so Bruckert.

Weitere Informationen

Videovernehmung soll junge Opfer schützen

Die Aussagen von minderjährigen Opfern sollen in Hildesheim ab sofort mit Videokameras aufgezeichnet werden. Das Verfahren soll ihnen ein Zusammentreffen mit den Tätern ersparen. (06.12.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.06.2017 | 08:00 Uhr

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