Stand: 23.09.2015 15:01 Uhr

Trächtige Kühe dürfen am Leben bleiben

Künftig sollen in Niedersachsen weniger trächtige Rinder geschlachtet werden. Darauf haben sich am Mittwoch in Hannover der Landesbauernverband, mehrere Schlachtbetriebe, der Deutsche Tierschutzbund und zahlreiche weitere Verbände geeinigt. Demnach soll auf das Schlachten, der sich im letzten Drittel der Trächtigkeit befindlichen Kühe verzichtet werden. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte am Mittwoch, jährlich verendeten bundesweit bis zu 180.000 ungeborene Kälber durch die Schlachtung ihrer Mutterkühe. "Das ist ein unerträglich Zustand", kritisierte der Grünen-Politiker. Er fordert darüber hinaus ein europaweites Schlachtverbot für trächtige Rinder.

Föten verenden bisher qualvoll

Durch die Vereinbarung soll verhindert werden, dass jährlich in Niedersachsen mehrere Tausend ungeborene Kälber bei einer Schlachtung des Muttertiers qualvoll an Sauerstoffmangel verenden. In solchen Fällen werden die toten Föten mit der Gebärmutter als Schlachtabfall entsorgt. Zudem hätten sich die Unterzeichner verpflichtet, nicht nur freiwillig auf die Schlachtung zu verzichten, sondern auch entsprechende Verstöße den zuständigen Veterinärämtern anzuzeigen. Außerdem wollen sich die beteiligten Verbände für eine künftig bundesweit geltende gesetzliche Regelung einsetzen, erklärten Sprecher am Mittwoch.

Westen ist Niedersachsens Rinder-Gürtel

In Niedersachsen ist die Region Weser-Ems Zentrum der Rinderzüchtung. Dort wird mit rund 1,48 Millionen Tieren mehr als die Hälfte aller rund 2,63 Millionen Rinder gehalten, vor allem im Emsland und in den Kreisen Cloppenburg, Leer und Osnabrück. Insgesamt gehen die Zahlen von Haltern und Tieren aber seit 30 Jahren kontinuierlich zurück. So gab es landesweit 1980 noch rund 83.000 Rinderzüchter. Im Mai dieses Jahres waren es nur noch knapp 22.000.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 23.09.2015 | 14:30 Uhr