Stand: 07.12.2017 14:42 Uhr

Tote im "Lovemobil": Angeklagter bestreitet Tat

Der Fall einer getöteten Prostituierten beschäftigt seit Donnerstag zum zweiten Mal das Landgericht Hildesheim: Auf der Anklagebank sitzt ein 30-Jähriger aus Salzgitter. Der Angeklagte bestritt zum Prozessauftrag den Mordvorwurf. "Damit habe ich nichts zu tun", sagte er. Im ersten Verfahren im Sommer hatte er noch als Zeuge ausgesagt. Als ein Bekannter ihn dann aber schwer belastete, wurde aus dem Zeugen plötzlich ein Tatverdächtiger. Den zunächst irrtümlich angeklagten Ingenieur sprach das Gericht deshalb frei. Die Staatsanwaltschaft wirft nun dem 30-Jährigen vor, die Prostituierte in ihrem "Lovemobil" in Hohenhameln (Landkreis Peine) aus Habgier getötet zu haben, indem er sie erst ins Gesicht schlug und sich dann mit dem Fuß auf ihren Hals stellte. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Angeklagter berichtet von Geldproblemen

Rund anderthalb Stunden berichtete der 30-Jährige am Donnerstag von seiner Kindheit in Stendal (Sachsen-Anhalt), späteren Jobs und Geldproblemen sowie vom Tatabend. Er sei an dem Abend mit seinem Bekannten zwar auf dem Parkplatz des Wohnwagens an einer Bundesstraße gewesen. Sein Bekannter und ehemals enger Freund habe mit der Prostituierten etwas regeln wollen, dann habe die Frau ihn an der Wohnwagentür betatscht, und er sie zurückgestoßen. Dabei habe sie ihn am Arm gekratzt. Der 30-Jährige lenkte schließlich die Aufmerksamkeit auf seinen Bekannten, der das Verfahren gegen ihn ins Rollen gebracht hatte. Dieser sei am Tatabend rund anderthalb Stunden verschwunden und außerdem eifersüchtig auf seine neue Beziehung gewesen.

Aus Angst geschwiegen

Doch die Staatsanwaltschaft geht vom Angeklagten als Täter aus. Unter den Fingernägeln der ermordeten 40-Jährigen hatten die Ermittler DNA-Spuren des 30-Jährigen entdeckt. Außerdem war sein Handy zum Tatzeitpunkt vor einem Jahr ganz in der Nähe des "Lovemobils" geortet worden. Dazu kommt die Zeugenaussage des Bekannten. Der Mann hatte ebenfalls angegeben, mit dem Angeklagten in der Tatnacht bei der Prostituierten gewesen zu sein. Er habe mit eigenen Augen gesehen, wie sein Freund die Frau getötet und ihre Tageseinahmen geraubt habe, sagte er im ersten Prozess. Aus Angst habe er zunächst geschwiegen.

Urteil im Januar?

Am kommenden Montag soll dieser Hauptbelastungszeuge gehört werden. Insgesamt hat die Strafkammer zehn Verhandlungstage angesetzt. 24 Zeugen sollen gehört werden, ein Urteil könnte im Januar fallen. Einer der Zeugen ist zudem der 45-jährige Ingenieur, der zunächst als Verdächtiger galt. Er saß mehr als ein halbes Jahr unschuldig in Untersuchungshaft. Dafür entschuldigte sich der Staatsanwalt, ein Entschädigungsverfahren läuft.

Weitere Informationen

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Im Fall einer getöteten Prostituierten aus dem Kreis Peine hat die Staatsanwaltschaft Hildesheim einen neuen Tatverdächtigen angeklagt. Er soll die Frau ermordet und beraubt haben. (19.09.2017) mehr

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.12.2017 | 08:00 Uhr