Stand: 25.11.2015 16:02 Uhr

Terrorwarnung für Hannover kam wohl aus Israel

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"Ob die Hinweise zutrafen, wissen wir nicht", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. (Archivbild)

Mit der Unklarheit bleibt auch die Unsicherheit. Auf die Frage, wie konkret die Bedrohung war, die am vergangenen Dienstag zur Absage des Länderspiels in Hannover geführt hat, gibt es noch immer keine eindeutige Antwort. Klar scheint nun aber zumindest zu sein, woher die Informationen stammten, die zum Terroralarm geführt haben. Der Deutsche Presse-Agentur (dpa) wurde ein Bericht des "Stern" bestätigt, wonach der israelische Geheimdienst die deutschen Sicherheitsbehörden bereits einen Tag vor dem Länderspiel vor möglichen Anschlägen gewarnt haben soll. Im Verlauf des Dienstags hätten sich die Warnungen konkretisiert. Laut "Stern" war es dem israelischen Dienst offenbar gelungen, den genauen Ablauf des Attentatsplans zu enttarnen. Nach dem Vorbild der Pariser Terrorakte hätte eine zeitlich versetzte Kaskade von Anschlägen gedroht. Auch konkrete Zeiten und Ziele wie etwa das Stadion sollen genannt worden sein. Der Bundesnachrichtendienst (BND) wollte sich gegenüber dpa nicht zu dem Bericht äußern.

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Regierung weiß nichts Genaues

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zufolge wissen die Sicherheitsbehörden bislang noch immer nicht, ob wirklich potenzielle Attentäter in der Stadt unterwegs waren. Es habe an dem Tag sich verdichtende Hinweise auf eine "große Gefährdung" gegeben, wiederholte de Maizière am Dienstag im Bundestag. "Ob diese Hinweise tatsächlich zutrafen, wissen wir bisher nicht." Manchmal müsse eine Entscheidung getroffen werden, ohne endgültige Gewissheit zu haben.

Gefahr laut FAS real

Auch die Informationen deutscher Medien sorgen mitunter für Verwirrung, da sie sich teilweise widersprechen. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) zufolge gibt es tatsächlich eine Gruppe mutmaßlicher Terroristen und sie könnte immer noch zuschlagen. Laut der Zeitung hat die Gruppe ihre Pläne wegen der Spielabsage möglicherweise nur verschoben. Den Sicherheitsbehörden sind demnach vom französischen Geheimdienst auch Namen von Terroristen mitgeteilt worden. Allerdings seien diese dort bislang nicht bekannt gewesen. Um die Personen zu finden, werden laut Zeitungsbericht nun sogenannte Gefährder beobachtet. Die Behörden rechnen mit gut 1.000 Menschen in Deutschland aus dem "islamistisch-terroristischen" Spektrum, darunter etwa 420 Gefährdern, denen schwere Gewalttaten zugetraut werden.

ZDF spricht von "Fehlinformation"

Dem "FAS"-Artikel über die angebliche Bedrohung widerspricht allerdings ein Bericht des ZDF. Am Sonntagmorgen hieß es bei heute.de, dass es keinerlei Hinweise dafür gebe, dass eine Terrorzelle mit konkreten Anschlagsplänen tatsächlich existiere. Wahrscheinlich habe es sich vielmehr um Fehlinformationen gehandelt, "wie sie Nachrichtendienste fast wöchentlich bekämen", hieß es weiter.

Seit Donnerstag ermittelt der Generalbundesanwalt in der Sache wegen eines Anfangsverdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung. Ein Sprecher wollte wegen der laufenden Ermittlungen keine Angaben machen. Auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte nur, die Situation werde weiter beobachtet.

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