Stand: 11.03.2016 17:00 Uhr

Taxifahrer gezielt von Neonazis angegriffen

Fremdenfeindliche Übergriffe haben im vergangenen Jahr bundesweit zugenommen. Häufig richten sie sich gegen Flüchtlingsunterkünfte. Die bittere Erfahrung, dass auch andere Menschen mit Migrationshintergrund zur Zielscheibe für Fremdenhasser werden können, haben im vergangenen Dezember drei Taxifahrer eines kleinen Betriebs in Hildesheim gemacht. Mutmaßlich rechtsradikale Täter sollen die Männer gezielt an dunkle Orte bestellt haben, um sie dort zu überfallen.

In einer nachgestellten Sezne gehen zwei Männer mit Schlagstöcken auf den fahrer in dem Auto los. © NDR

Neonazi-Netzwerk "Combat 18" in Hildesheim aktiv?

Hallo Niedersachsen -

In Hildesheim sind Fahrer eines Taxiunternehmens angegriffen worden - dazu wurden Mitarbeiter per Handy bedroht. Es gibt Hinweise, dass es Verbindungen zum rechtsextremen Netzwerk "Combat 18" gibt.

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Täter locken Fahrer in Falle

Der erste Vorfall hat sich nach Darstellung der Opfer an einem Abend Ende Dezember 2015 ereignet. Der Anrufer wurde damals durch die Taxizentrale Hildesheim vermittelt. Als der Fahrer aus Afghanistan an der angegeben Adresse anhielt, kamen plötzlich vermummte Männer mit Eisenstangen auf das Auto zu. Sie versuchten, den Fahrer einzukesseln, doch dieser konnte entkommen. Wenige Stunden später kam der nächste Anruf direkt über das Firmenhandy des Drei-Mann-Taxibetriebs. Wieder wurde ein Wagen bestellt, diesmal fuhr ein Fahrer aus dem Irak zum angegebenen Abholort. Erneut waren Männer vor Ort, die den Mann mit Schlagstöcken in der Hand aufforderten, auszusteigen.

Morddrohungen gegen Inhaber

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Der Chef des kleinen Taxiunternehmens erhielt Morddrohungen.

Damit war der Spuk allerdings noch nicht vorbei. Denn ein paar Tage nach den Vorfällen bekam der Inhaber des Taxi-Unternehmens Nachrichten mit Morddrohungen und Beleidigungen auf sein Diensthandy. Die Unbekannten gaben sich dabei als Mitglieder der Neonazi-Terrororganisation "Combat 18" aus. Dieser Name soll für "Kampftruppe Adolf Hitler", auf dessen Initialen sich die Zahlen 1 und 8 ("A" und "H") beziehen. Die Gruppe ist in vielen Ländern aktiv, kommt aber ursprünglich aus England. Sie gilt als bewaffneter Arm des Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour". Die Organisation wird für eine ganze Reihe von Anschlägen und Mordversuchen verantwortlich gemacht. Im Prinzip kann sich aber jeder als Mitglied von "Combat 18" bezeichnen, der der rechtsradikalen Ideologie folgt.

Ermittlungen noch am Anfang

Vom Staatsschutz heißt es, dass es keine Erkenntnisse über eine Gruppierung dieser Art in Hildesheim gebe. Ein Sprecher sagte, er gehe davon aus, dass es sich in diesem Fall um Einzeltäter handele. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat Ermittlungen aufgenommen. Diese stünden aber noch am Anfang, sagte eine Sprecherin. Bei einem der Überfälle konnten zwei Tatverdächtige gestellt werden. Einem der Männer gehört das Handy, von dem aus das Taxiunternehmen angerufen wurde. Außerdem wurde seine Wohnung durchsucht Die Ergebnisse müssen laut Staatsanwaltschaft aber noch ausgewertet werden.

Opfer wechselt Wohnsitz

Die betroffenen Fahrer leiden sehr unter der Situation. Vor allem bei Nachtfahrten seien sie jetzt wesentlich vorsichtiger geworden, erzählen sie im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Einer der Männer hat sogar schon seine Wohnung gekündigt, weil er sich zuhause nicht mehr sicher fühlte.

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Hallo Niedersachsen | 11.03.2016 | 19:30 Uhr