Stand: 06.01.2016 09:21 Uhr

Der tödliche Schuss im Supermarkt und die Folgen

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Im Dezember 2014 soll der Angeklagte bei einem Überfall auf einen Supermarkt in Hannover-Stöcken den 21-Jährigen erschossen haben.

Den 4. Dezember 2014 wird die Kassiererin eines Supermarktes in Hannover-Stöcken vermutlich nie vergessen: An jenem Abend überfiel ein Mann den Laden und erschoss bei dem Raubüberfall einen 21-jährigen Kunden, der den Täter aufhalten wollte. Bis heute leidet die 52-Jährige an den Folgen. Am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht in Hannover sagte die Frau im Verfahren gegen den mutmaßlichen Räuber, der im Juni 2015 gefasst wurde, aus. Wie dramatisch die Minuten der Tat waren, schilderte die Kassiererin am Dienstag eindrucksvoll.

Kassiererin in Todesangst

Sie habe kurz vor Ladenschluss EC-Belege sortiert, als der Mann auf einmal vor ihr stand, so die Kassiererin. "Er hat mit seiner Pistole meine Stirn hochgedrückt und gesagt, ich möchte das Geld hier rein", beschreibt die 52-Jährige die Szene, wie sie das Geld in den Beutel des Täters gelegt habe. Laut eigener Aussage hat sie eine Traumatherapie hinter sich und heute noch bei Kunden mit osteuropäischem Akzent zu zittern beginnt. Während des Überfalls habe sie Todesangst gehabt. Als sie bereits alle Scheine übergeben habe, sei der 21-jährige Stammkunde hinter dem Täter aufgetaucht und habe versucht, den Räuber zu überwältigen. "Ich sah nur, wie der Kunde den Beutel hochschleuderte, auf den Räuber drauf", sagt die Zeugin. Den Kampf des Kunden mit dem Räuber habe sie zum Wegrennen genutzt. Als der tödliche Schuss fiel, sei sie bereits auf der Flucht ins Lager gewesen.

"Mein Leben ist kaputt"

Laut Staatsanwaltschaft tötete der Angeklagte den 21-Jährigen mit zwei Schüssen in die Schläfe und in den Oberkörper. Der aus Polen stammende Mann gilt als äußerst gefährlich. Er muss sich in Hannover nicht nur wegen des tödlichen Überfalls in Hannover-Stöcken verantworten, sondern auch wegen 23 weiterer Überfälle in sechs Bundesländern. Diese konnten dem 42-Jährigen mittels DNA-Spuren und eines Waffengutachtens zugeordnet werden. Zu den Vorwürfen schweigt er. Auch als der zweite Zeuge, ein 30-jähriger Mann, der bei dem Überfall durch einen Schuss verletzt wurde, in Tränen ausbricht, verzieht der kräftige Mann mit Halbglatze auf der Anklagebank keine Miene. "Mein Leben ist kaputt. Ich habe überall Angst", sagt der aus dem Kosovo stammende Zeuge. "Ich habe zwei Kinder zu Hause. Ich kann nicht mit den Kindern spazieren oder einkaufen gehen."

Staatsanwaltschaft will Sicherungsverwahrung für Täter

Die Staatsanwaltschaft forderte in der Anklageschrift nach der Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung, da er für die Allgemeinheit gefährlich sei. Schon beim Prozessauftakt im Dezember hatte der Angeklagte geschwiegen. Nach Auskunft seines Verteidigers hat er auch nicht vor, sich bis zum Urteil, das für kommenden Juni terminiert ist, zu äußern.

Gefasst in Sachsen

Bei den Überfällen ging der mutmaßliche Supermarkt-Räuber immer ähnlich vor: Kurz vor Ladenschluss betrat er den Markt, bedrohte die Mitarbeiter mit einer Pistole und verlangte Geld. Seit Februar 2014 soll der Mann Supermärkte überfallen haben. Im Juni 2015 konnte er schließlich bei Dresden gefasst werden. Spezialeinsatzkräfte überwältigten ihn auf einem Autobahn-Rastplatz; per Handy-Ortung waren sie auf seine Spur gekommen. Bundesweit war mit Bildern und Videos aus Überwachungskameras nach dem korpulenten Mann gefahndet worden. Der Täter trug stets eine Schiebermütze oder eine Kappe, maskierte sich aber nicht. Die Fahnder gehen davon aus, dass der Mann für die Überfälle aus seinem Heimatland Polen nach Deutschland einreiste. In Hannover wird ihm wegen 24 Überfällen der Prozess gemacht. Ermittler vermuten, dass auf das Konto des mutmaßlichen Serienräubers bis zu 43 Überfälle gehen könnten.

Weitere Informationen

Supermarkt-Raubmord: Angeklagter schweigt

Zu Prozessbeginn hat die Staatsanwaltschaft gegen einen mutmaßlichen Supermarkt-Räuber in Hannover eine Sicherungsverwahrung gefordert. Der Mann soll einen Mann erschossen haben. (17.12.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

Regional Hannover | 05.01.2016 | 15:30 Uhr