Stand: 17.11.2016 20:58 Uhr

Streit um Abtreibungen in Schaumburger Klinik

Bild vergrößern
Der Betreiber des künftigen Klinikums hat christliche Wurzeln - und beharrt auf seinen Werten.

Im Gesamtklinikum Schaumburg in Obernkirchen, das gerade vom Agaplesion-Konzern gebaut wird, soll es keine Schwangerschaftsabbrüche nach sozialer Indikation geben. Das Unternehmen, dessen Wurzeln in der evangelisch-landeskirchlichen Diakonie liegen, lehnt diese Form des Schwangerschaftsabbruches innerhalb der ersten zwölf Wochen nach Empfängnis ab. Dabei muss die Schwangere, die den Eingriff verlangt, sich mindestens drei Tage zuvor in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle beraten lassen.

Handeln nach "christlichen Prinzipien der Nächstenliebe"

"Wir sind der Überzeugung, dass jede Frau ein individuelles Recht zur Entscheidung über ihre Schwangerschaft hat", teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Schwangere Frauen würden "selbstverständlich auch angehört und beraten". Eine Entscheidung müsse vor einem möglichen Eingriff aber noch von einem zweiten Arzt bestätigt werden. Jegliche Handlung im neuen Krankenhaus werde sich auf "die christlichen Prinzipien von Nächstenliebe, auf die Achtung von Würde und die Individualität des Einzelnen" gründen, erklärte ein Sprecher.

Wurde das Thema vergessen?

Am Dienstagabend im Kreistag hatte das Thema für Kontroversen gesorgt. Bürger fragten in der Sitzung, wie dieses Thema bei den Verhandlungen über die Zusammenlegung von Kreiskrankenhäusern und einem kirchlichen Haus übersehen werden konnte. Landrat Jörg Farr (SPD) antwortete, man sei "selbstverständlich davon ausgegangen", dass nach der Fusion mit dem kirchlichen Haus das gesamte medizinische Leistungsspektrum erhalten bleibe.

In Stadthagen bislang möglich

Im Kreiskrankenhaus Stadthagen, einem der drei Krankenhäuser, die zum 1. April 2017 in dem neuen Klinikum aufgehen, ist der Schwangerschaftsabbruch aufgrund sozialer Notlagen bislang möglich. Explizit sei das Thema in den Fusionsverträgen aber nicht benannt worden. Farr will jetzt mit dem Agaplesion-Konzern darüber verhandeln, ob solche Abbrüche auch im neuen Gesamtklinikum ermöglicht werden können. Agaplesion-Sprecher Tino Drenger erklärte im Gespräch mit NDR.de allerdings, dass man dies als christliches Haus nicht anbieten wolle.

"Gemeinsame Suche nach Lösung"

"Wir haben volles Verständnis für die emotionale Diskussion", sagte Drenger. "Aber wir bitten auch um Verständnis für unsere Position." Diese Haltung sei kein christlicher Sonderweg, sondern voll im Einklang mit dem Gesetz. Der Abbruch nach Beratung gehöre nicht zum gesetzlichen Leistungsspektrum und müsse ohnehin privat bezahlt werden. Von daher müsse er auch nicht zwangsläufig angeboten werden. Zudem könne man Ärzte und Pflegepersonal ebenfalls gesetzlich nicht verpflichten, daran mitzuwirken. Man wolle aber gemeinsam mit dem Landkreis eine Lösung entwickeln, wie es weiterhin ein solches Angebot geben könne. Dazu könnten Kooperationen mit Arztpraxen oder dem Krankenhaus in Minden zählen, auch wenn dieses nicht im Landkreis liegt.

Weitere Informationen

Abtreibung - noch immer ein Tabuthema

Sie zählen zu den häufigsten Eingriffen in der Gynäkologie: Schwangerschaftsabbrüche. Trotzdem sind sie ein großes Tabuthema in der Gesellschaft - auch unter Ärzten. (30.09.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.11.2016 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:41

Streit um Kosten für Straßenausbau in Springe

21.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen