Stand: 06.12.2015 09:31 Uhr

Spiel mit Architektur: Die Kirche zum Mitnehmen

von Thomas Hans

Mit ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim (HAWK) hat es Katharina Sobanski gleich ins Museum geschafft. Ihr sogenannter "Space Inflater" soll ein mobiler Rückzugsraum und Ort der Meditation sein. Die begehbare Installation im Museum August Kestner in Hannover bezeichnet die Künstlerin auch als "Gewölbe to go" - also ein Gewölbe zum Mitnehmen. Sie wird im Rahmen der Ausstellung "ReFORMation" der Evangelischen Landeskirche und der HAWK gezeigt.

Quo vadis, Kirche?

Ein Gegenentwurf zu sakralen Gebäuden

Die Membranfolie der mobilen Installation ist mit einem feinen Netz aus Linien bedruckt. "Sie sollen das Innere vom Äußeren schützend abgrenzen", sagt Sobanski - ohne dabei aber die komplette Sicht zu versperren. Die Linien seien außerdem so angelegt, dass sie den Blick in Richtung Himmel führen. "Space Inflater" sei als Gegenentwurf zur monumentalen und statischen Bauweise von Kirchen und anderen sakralen Gebäuden zu sehen und soll zum Dialog anregen, erklärt Sobanski. Anregung für die Installation fand die 31-Jährige dennoch in den Strukturen von Gewölben. Der Zuschnitt der Membranhaut besteht aus sogenannten Rhomben, basierend auf dem Rhombentriakontaeder. Das ist ein Polyeder, also Vielflächner, der sich aus 30 identischen Rauten zusammensetzt.

Mit Druckunterschied im Innern

Sobanski hat ihre Installation in Wien bei einem Membranspezialisten fertigen lassen. Die gesamte Konstruktion wiege weniger als zehn Kilo, sagt die Künstlerin. So könne sie auch eine Person allein tragen und errichten. "Space Inflater" lässt sich drinnen und draußen aufbauen. Die einzige Voraussetzung: ein Stromanschluss. Denn die Installation wird mit einem Gebläse betrieben. Das sorgt für einen Druckunterschied im Inneren, der die Installation aufrichtet und aufrecht erhält. Geht das Gebläse aus, sackt die Installation binnen kürzester Zeit in sich zusammen.

Gebürtig kommt Sobanski aus Bremen, lebt aber seit zehn Jahren in Hannover. Die 31-Jährige hat Innenarchitektur in der Landeshauptstadt studiert und ihren Bachelor-Abschluss gemacht. An der Hildesheimer HAWK folgte ein Master-Titel.