Stand: 20.01.2016 19:14 Uhr

Schleuser-Razzia: Zwei Festnahmen im Norden

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Die "Ezadeen" ist eines der schrottreifen Frachtschiffe, auf dem Schleuser Asylsuchende ihrem Schickal überließen. (Archivbild)

Mit einer großangelegten Razzia haben Ermittler aus Deutschland und der Türkei einen Schleuser-Ring gesprengt, der Hunderte Flüchtlinge in schrottreifen und führerlosen Schiffen nach Europa gebracht haben soll. Allein in Deutschland stürmten am Mittwochmorgen rund 500 Beamte, darunter Spezialkräfte der GSG 9 und der Anti-Terroreinheit BFE+, Wohnungen in sechs Bundesländern. Dabei gab es nach Angaben der Bundespolizei fünf Festnahmen - zwei davon in Norddeutschland: in Hannover und in Lübeck (Schleswig-Holstein). Die Verdächtigen stammen alle selbst aus Syrien und haben in Deutschland Asyl beantragt. Drei von ihnen zählten zu den "mittleren Organisatoren", so die Bundespolizei.

Zeitgleich Razzien in der Türkei

Zur selben Zeit wurden am Mittwochmorgen zehn Wohnungen in der Türkei durchsucht und zehn Personen festgenommen. In der türkischen Stadt Mersin ging den Ermittlern ein mutmaßlicher Drahtzieher ins Netz. Der Bundespolizei-Chef sprach von der "Zerschlagung eines internationalen Schleusungsnetzwerkes auf allen Ebenen bis hin zum Hauptbeschuldigten". Dreimal soll der Schleuser-Ring Ende 2014 Migranten für 4.500 bis 6.000 US-Dollar in zur Verschrottung vorgesehenen Frachtschiffen transportiert haben. Die Schleuser gaben das Ziel im Autopiloten ein und gingen anschließend in Schlauchbooten von Bord. In einem besonders perfiden Fall sei der Autopilot des Schiffes auf das italienische Festland programmiert worden - und die Besatzung anschließend von der Brücke gegangen. Es sei dem Einsatz der italienischen Küstenwache zu verdanken, dass die Menschen noch lebten.

Verdächtigen drohen zehn Jahre Gefängnis

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16 Wohnungen und einen Geschäftsraum stürmten die Beamten am Mittwoch.

Wer mehr als 1.700 Menschen in die Frachträume von abgetakelten Frachtschiffen pferche, danach den Autopiloten auf die Küste richte, sich in Sicherheit bringe und die Menschen ihrem Schicksal überlasse, der "nimmt im Falle der Havarie billigend den Tod der Menschen an Bord in Kauf", sagte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann. Es gehe den Schleusern nicht um "Fluchthilfe", sondern einzig ums "Kasse machen". Ein Jahr haben die Ermittlungen laut Romann gedauert. Es sei eines der größten internationalen Ermittlungsverfahren wegen des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern nach Deutschland. Den Verdächtigen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Lob von der hohen Politik

Großes Lob für die deutsch-türkische Zusammenarbeit gab es von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). "Nur durch ein ganzheitliches und internationales Vorgehen können wir dem menschenverachtenden Treiben der Schlepperbanden ein Ende setzen", sagte er am Mittwoch in Berlin. Der türkische Gouverneur Mehmet Cemalettin Lekesiz unterstrich: "Ich glaube daran, dass diese Operation eine strenge und klare Botschaft an die Organisationen sein wird, die von dem Bürgerkrieg und dem menschlichen Drama im Nahen Osten zu profitieren versuchen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.01.2016 | 19:00 Uhr