Stand: 28.09.2017 10:41 Uhr

Rare Musik-Schätze vor dem Müll gerettet

Ein halbes Jahr nachdem der Tonträger-Hersteller EDC pleite gegangen ist, kommen nun haufenweise Schätze aus dem Nachlass des Unternehmens ans Tageslicht. Darunter sind in lila Stoff eingeschlagene Alben von Jimi Hendrix, eine Rolling Stones-Platte mit Reißverschluss, handschriftliche Noten der Kelly Family und andere Raritäten. Momentan sind sie in der Halle 96 auf dem Hanomag-Gelände als vorübergehendes Museum der Musikgeschichte zu sehen. Doch fast wären die Fundstücke auf dem Müll gelandet. Und auch was zukünftig mit ihnen passiert, ist ungewiss.

Zwei bebrillte Frauen montieren einen Grammophonschirm © Ann Sophie Lindström Fotograf: Ann Sophie Lindström

Schätze der Musikgeschichte

Nach der Insolvenz des CD-Presswerkes EDC haben Mitarbeiter Sammlerstücke aus dem Inventar vor dem Müll bewahrt. Auf dem Hanomag-Gelände sollen diese ausgestellt werden.

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Schätze kommen in provisorisches Museum

Vor dem Müllhaufen der Geschichte gerettet hat sie zunächst Ex-EDC-Betriebsrat Uwe Rittentrop. Der konnte bei der Räumung nicht einfach tatenlos danebenstehen: "Ich habe gesagt, wir können doch nicht alles in die Tonne schmeißen." Viele der wertvollen Stücke kaufte das Kreativ-Netzwerk kreHtiv und brachte es in mehreren Kisten in das provisorische Museum. Dabei sind auch goldene Schallplatten, Autogramme und Bilder - beispielsweise Fotos der Rockband Bon Jovi oder von Roy Black, als sie das EDC-Werk einst besichtigt hatten.

Die Halle 96 wird vorübergehend zum EDC-Museum

Jukebox aus dem Kaiserreich

Nach der Unternehmens-Pleite im Frühjahr war jede Hoffnung für EDC auf Rettung geplatzt. Auf dem Gelände an der A2 wurden seit 1898 Schallplatten, später Musik-Kassetten, irgendwann auch CDs, DVDs und BluRays gepresst. Nach der Insolvenz ist das komplette Inventar des Herstellers versteigert worden: "Ganze CD-Pressmaschinen wurden zu Ramschpreisen verkauft", sagt Rittentrop. Die jetzt öffentlich ausgestellten Raritäten blieben aber stehen. So auch ein Polyphon - eine Art Jukebox aus dem Kaiserreich, auf dem nur alte Platten aus Metall laufen. Rittentrop hat beim Entrümpeln außerdem Noten der Kelly Family mit handschriftlichen Notizen daran gefunden. Mancher Fund ist historisch noch bedeutsamer: beispielsweise Dokumente aus der Nazi-Zeit, in denen die EDC - damals unter dem Namen Deutsche Grammophon - um Genehmigung zum Lebensmittelausschank gebeten hatte.

Ausstellung könnte erweitert werden

Was aus den ganzen Geräten, Autogrammkarten und Noten nach der Ausstellung im provisorischen Museum wird, ist bisher unklar. Kai Schirmeyer vom Käufer kreHtiv hofft, dass die Stücke dauerhaft an einem zentralen Ort in Hannover und für alle zugänglich gemacht werden können. Außerdem, so Schirmeyer, könne die Ausstellung weiterentwickelt und vielleicht mit anderen Themen erweitert werden.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Hannover | 28.09.2017 | 08:30 Uhr

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