Stand: 08.04.2013 21:56 Uhr

Putin-Protest mit vollem Körpereinsatz

Es sollte eigentlich ein ganz gewöhnlicher Messerundgang werden, aber Aktivistinnen von "Femen" haben am Montag beim Eröffnungsrundgang von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Präsident Wladimir Putin für Aufregung auf der Hannover Messe gesorgt. Als die beiden Regierungschefs den Stand von Volkswagen verließen, stürmten mehrere barbusige Frauen der Frauengruppe "Femen" laut schreiend auf den Kreml-Chef zu. Auf ihre Brüste hatten die Aktivistinnen die Worte "fuck dictator" geschrieben. Noch bevor die zum Teil halbnackten Frauen Putin erreichten, wurden sie von den Personenschützern des russischen Präsidenten und der deutschen Polizei überwältigt und abgeführt.

"Besser angezogen protestieren"

Mit ihrer Aktion protestierte die Frauengruppe gegen das politische System in Russland. Putin sagte zu dem Zwischenfall: "Ohne eine solche Aktion würde man weniger über eine solche Messe sprechen als mit einer solchen Aktion." Wenn sich jemand politisch äußern wolle, solle er dies aber angezogen tun, sagte der Kreml-Chef. Merkel wies zwar auf die Demonstrationsfreiheit in Deutschland hin, fand aber ebenfalls die Form des Protestes unangemessen. "Ob man in Deutschland zu einer solchen Notmaßnahme greifen muss und nicht anderweitig auch seine Meinung sagen kann, da habe ich meine Zweifel", sagte sie. Gegen die Frauen wird nach Angaben der Polizei wegen der Beleidigung von Vertretern ausländischer Staaten ermittelt. Die Justiz verfolgt die Ermittlungen aber nur dann weiter, wenn der Beleidigte dies wünscht. Putins Sprecher sagte am Montagabend der Agentur "Interfax" zufolge: "Niemand von russischer Seite hat Deutschland in irgendeiner Weise gebeten, die Aktivistinnen der Bewegung 'Femen' zu bestrafen."

"Busen-Attacke" auf der Hannover Messe

Branche ist hoffnungsvoll

Auf der Messe informierten sich Merkel und Putin unter anderem über Trends in der Industrie-Zulieferung, der Dienstleistung und der Produktionstechnologie. Als Messe-Partnerland ist Russland mit rund 160 Ausstellern vertreten. Es ist die bisher größte Messe-Beteiligung des Landes. Der Branchenverband der deutschen Maschinenbauer, VDMA, hat sich am Montag in Hannover zuversichtlich gezeigt. VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers sagte, nach einem sehr verhaltenen Jahresbeginn deute unter anderem die Auftragsentwicklung auf Besserung hin. Auch der deutsche Industriespitzenverband BDI setzt auf eine vielversprechende zweite Jahreshälfte. "Wir sehen gute Chancen, dass die deutsche Wirtschaft im Laufe des Jahres deutlich an Fahrt gewinnt", sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo.

Noch bis Freitag werden sich rund 6.500 Unternehmen aus 65 Ländern auf dem Messegelände präsentieren. Hauptthema ist die wachsende Vernetzung in der Produktion - vom Zulieferer bis zum Kunden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.04.2013 | 12:00 Uhr