Stand: 27.09.2017 14:06 Uhr

Prozess: Fragen und Antworten zu Abu Walaa

von Angelika Henkel

Gegen den Hildesheimer IS-Prediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. alias Abu Walaa und vier weitere mutmaßliche Top-Islamisten hat am 26. September vor dem Oberlandesgericht Celle der Prozess. Die fünf Männer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren sollen von einer Hildesheimer Moschee aus Freiwillige für den Kampf des sogenannten Islamischen Staates (IS) rekrutiert haben. Alle fünf Angeklagten waren im vergangenen November in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Der "Deutsche Islamkreis Hildesheim" (DIK), in dem Abu Walaa seine radikal-islamistischen Predigten gehalten haben soll, ist inzwischen verboten. NDR Redakteurin Angelika Henkel beantwortet die wichtigsten Fragen zum Prozess.

Ein gepixeltes Foto des IS-Prediger Abu Walaa

Prozess gegen IS-Prediger Abu Walaa beginnt

Hallo Niedersachsen -

In Celle beginnt der Prozess gegen den IS-Prediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. alias Abu Walaa. Er soll Freiwillige für den Kampf des "Islamischen Staates" rekrutiert haben.

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Wer ist dieser Abu Walaa?

Bei Abu Walaa handelt es sich um einen 33-jährigen Iraker. Mit bürgerlichem Namen heißt er Ahmad Abdulaziz Abdullah A.. Er war der Hauptprediger im inzwischen verbotenen Moscheeverein DIK in Hildesheim, war aber auch bundesweit unterwegs. Für das Internet stellte er Videoclips her, in denen er mysteriös als "Sheikh ohne Gesicht" auftritt. Man sieht ihn nur von hinten - vielleicht auch damit schuf er sich eine mystische Aura, die ganz offenkundig eine Anziehungskraft auf junge Menschen hatte. In der sehr vielfältigen salafistischen Szene gilt Ahmad A. als Dschihadist - das bedeutet, dass er zu jenen gerechnet wird, die Gewalt befürworten. In der Vergangenheit hatten sich andere Islamisten mit Verweis auf seine extremen Standpunkte abgewandt.

Was wird ihm und den anderen vorgeworfen?

Die Anklage sieht Ahmad A. als den Repräsentanten des IS in Deutschland. Sie geht davon aus, dass er sogar die zentrale Führungsposition übernommen hatte - und als Anführer eines Netzwerkes Personen an den IS vermittelte. Weil er sehr gute Kontakte zu den Anführern des IS gehabt haben soll, habe er mitbestimmt, was mit den ausgereisten Leuten passiert. Er ist angeklagt wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Angeklagt sind außerdem vier weitere Männer: zwei Nordrhein-Westfalen und zwei Niedersachsen. Sie sollen seine Helfer gewesen sein. Die beiden Männer aus Hildesheim sollen laut interner Vereinsverbotsverfügung des Innenministeriums die Hintermänner vor Ort gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft listet in ihrer Anklage eine ganze Reihe von Personen auf, die mit der Hilfe dieser Männer nach Syrien gereist sein sollen, einer von ihnen soll sich im Irak in die Luft gesprengt und 140 Menschen mit in den Tod gerissen haben.

Welche Beweise gibt es dafür?

Die Beweisführung stützt sich auch auf die belastenden Aussagen von V-Leuten und einem Zeugen, der vom IS zurückgekehrt ist und in Düsseldorf deshalb zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Anil O. hatte Ahmad A. in einem Interview mit dem Rechercheverbund von NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" belastet. Für die Beweiserhebung sind zahlreiche Gerichtstage angesetzt, ein Urteil wird vermutlich erst 2019 fallen.

Was ist an diesem Gerichtsverfahren besonders?

Zwar gab es in Niedersachsen schon einige Verfahren gegen Islamisten, jetzt aber wird es zum ersten Mal Einblicke geben, wie ein mutmaßliches Anwerber-Netzwerk und seine Propagandamaschinerie funktionieren. In den bisherigen Verfahren ging es unter anderem um Ebrahim H. B. und Ayoub B., zwei junge Männer aus Wolfsburg, die geläutert aus dem IS-Kriegsgebiet zurückgekommen sind. Eine Haftstrafe von sechs Jahren bekam die minderjährige Safia S., die einen Polizisten am Hauptbahnhof in Hannover im Auftrag des IS angegriffen hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.09.2017 | 08:00 Uhr