Stand: 30.12.2015 13:32 Uhr

"Wir stehen im Fadenkreuz des IS"

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Das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden wurde Mitte November wegen einer Terrorwarnung kurzfristig abgesagt. (Archiv)

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) sieht Deutschland als eines der Hauptziele islamistischer Attentäter. Es gebe eine latente Terrorgefahr, mit der man umzugehen lernen müsse. "Wir stehen im Fadenkreuz des sogenannten IS als Unterstützer der Front gegen ihn", sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur. Nach den Anschlägen von Paris und der Länderspielabsage in Hannover dürfte jedem klar sein, so der Minister, dass der Terrorismus auch jederzeit in Deutschland stattfinden kann. Zwei Drittel der Bundesbürger rechnen laut einer Umfrage mit einem Anschlag der Terrororganisation IS in Deutschland im kommenden Jahr.

Die Bevölkerung ist das Ziel

Ursache für eine erhöhte Anschlagsgefahr sei auch eine völlig neue Form des Terrorismus, sagte Pistorius. Im Gegensatz etwa zur Roten-Armee-Fraktion (RAF), die es auf staatliche Organe oder deren Repräsentanten abgesehen hatte, ziele der IS auf die allgemeine Bevölkerung: "Um Angst zu schüren und uns zu veranlassen, unsere Werte infrage zu stellen", sagte Pistorius. "Dem müssen wir uns entgegenstellen als Gesellschaft, die entschlossen ist, die kritisch diskutiert, die offen ist, die sich aber auch zugleich geschlossen gegen diejenigen stellt, die unsere Werte und unser Leben gefährden", sagte der SPD-Politiker.

Polizei kann Hinweise besser einschätzen

Weitere Absagen öffentlicher Großveranstaltungen wie beim Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande wegen akuter Terrorgefahr schließt Pistorius jedoch nicht kategorisch aus. Zwar gebe es nach jedem Attentat Trittbrettfahrer. "Was die Polizei im letzten Jahrzehnt aber perfektioniert hat, ist, die Belastbarkeit solcher Hinweise sehr genau zu prüfen und sich ein abschließendes und umfassendes Bild davon zu machen, wie ein solcher Hinweis am Ende genommen werden und welche Entscheidung dann getroffen werden muss", sagte der Minister.

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