Stand: 09.11.2017 20:43 Uhr

No Future? Diskussion um Diesel-Fahrverbote

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Im Kampf gegen schmutzige Luft in deutschen Städten fordert die Deutsche Umwelthilfe Fahrverbote.

Der Diesel hat es schwer in diesen Tagen. Für Aufregung sorgt etwa die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit angekündigter Klageabsicht. Die Organisation will wegen zu hoher Stickoxidwerte in Hannover ein Fahrverbot für ältere Dieselautos erzwingen. Auch in Schleswig-Holstein will die DUH klagen. Und das schlägt hohe Wellen: Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) reagierte noch vor Beginn der Verkehrsministerkonferenz (VMK), die gerade in der VW-Autostadt in Wolfsburg tagt, und bekräftigte erneut, dass er von Fahrverboten für Diesel nichts halte. Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) sieht die Bundespolitik in der Pflicht - und fordert eine bundesweit einheitliche "Blaue Plakette".

Handwerk pocht auf Ausnahmen

Wenig Verständnis für den Vorstoß der Deutschen Umwelthilfe hat auch die Handwerkskammer Hannover. Hauptgeschäftsführer Jan-Paul Ernsting fordert im Falle eines Fahrverbots Ausnahmen für die Betriebe. "Wir können unsere Fahrzeuge nicht wie ein Hemd wechseln", sagte Ernsting dem NDR. Ohne solche Ausnahmen müssten sich die Kunden laut Ernsting auf höhere Handwerker-Rechnungen einstellen: Wenn die Betriebe keine andere Wahl hätten, als neue Fahrzeuge zu kaufen, würden die Kosten auf die Verbraucher umgelegt. Deutlich entspannter reagiert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover: Hauptgeschäftsführer Horst Schrage bezweifelt, dass es zu einem Verbot kommen könnte. Er glaubt, dass sich das Stickoxid-Problem in zwei, drei Jahren entspanne. Schrage verweist darauf, dass weniger Diesel verkauft werden, neue Modelle sauberer seien und ältere Modelle teilweise nachgerüstet werden könnten.

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Grenzwerte in mehr als 80 Kommunen überschritten

Ums Geld geht es auch beim der VMK der 16 Bundesländer, die heute in Wolfsburg endet. Die Länder fordern vom Bund wesentlich höhere Investitionen in die künftige Mobilität als bisher geplant. Das geht aus einem Beschlussvorschlag Hamburgs hervor. Ein "nationales Investitionsprogramm Mobilität" solle helfen, sagte eine Sprecherin der Verkehrsbehörde in Hamburg. Um mehr E-Autos auf die Straße zu bringen, mehr Ladesäulen aufzustellen, öffentliche Fuhrparks auf schadstoffarme Fahrzeuge umzurüsten und mehr Bahnstrecken zu elektrifizieren, fordern die Länder jährlich 5 Milliarden Euro. Bislang sieht der Fonds des Bundes dafür 1 Milliarde € vor. Davon wird die Autoindustrie nach derzeitigem Stand 250 Millionen Euro übernehmen. Das Geld soll allen Städten zugutekommen, die mit zu hohen Stickoxidwerten zu kämpfen haben. Im vergangenen Jahr wurden in mehr als 80 Kommunen die Grenzwerte überschritten, darunter Hannover, Osnabrück, Oldenburg, Hildesheim und Hameln.

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Während die Diskussion über Diesel auf den Straßen weiter Fahrt aufnimmt, scheint der Schienenverkehr in Niedersachsen einen Schritt weiter: Die weltweit ersten mit Wasserstoff angetriebenen Züge sollen ab 2021 im Nahverkehr zwischen den Städten Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude unterwegs sein. Am Donnerstag wurden dazu in Wolfsburg entsprechende Verträge unterschrieben. Der Zughersteller Alstom produziert den "Coradia iLint" in seinem Werk in Salzgitter und verspricht einen komplett schadstofffreien Betrieb.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.11.2017 | 08:00 Uhr

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