Stand: 01.02.2016 15:45 Uhr

Nienburg wappnet sich - gegen aggressive Bürger

Bild vergrößern
Festnehmen wird der Sicherheitsdienst wohl nur die wenigsten Bürger. Aber aggressives Verhalten im Amt soll verhindert werden.

Horrorszenarien im Büro: da stürmt ein Mann mit einer abgebrochenen Flasche ins Sozialamt, ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde wird georfeigt, eine Frau randaliert im Standesamt. Das alles ist irgendwo in deutschen Amtsstuben schon passiert. Auch, wenn die Beispiele extrem sind: Der Ton in deutschen Behörden ist rauer geworden. Das haben auch die Mitarbeiter im Nienburger Kreishaus schon häufig zu spüren bekommen. Nun hat der Landkreis darauf reagiert und setzt einen privaten Sicherheitsdienst ein.

Mitarbeiter bei kritischen Gesprächen schützen

Der Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes soll unter anderem Personen zu Terminen begleiten, die eigentlich in der Verwaltung ein Hausverbot haben. Er hole sie ab und bringe sie zum Büro, erklärte ein Landkreis-Sprecher. Außerdem könnten Landkreismitarbeiter ihn darum bitten, sich in einem Nachbarbüro aufzuhalten, wenn ein Gespräch mit Konfliktpotential ansteht. Bisher habe der Sicherheitsdienst aber noch nicht einschreiten müssen; in erster Line solle er deskalierend wirken. Der Niedersächsische Landkreistag erklärte, die Nienburger seien bislang die einzige Kreisverwaltung, die einen Sicherheitsdienst engagiert hat; nur einige Jobcenter beschäftigten ebenfalls Sicherheitspersonal.

Seit dem Hamelner Attentat ist Sicherheit ein Thema

In der Gifhorner Kreisverwaltung gebe es dafür keinen Bedarf, sagte ein Sprecher auf Nachfrage des NDR. Die Mitarbeiter bekämen Konflikte selbst in den Griff. Im Kreishaus Osnabrück setzt man in einigen Abteilungen unter anderem auf Zwei-Personen-Büros und Alarmsysteme. Er könne die Mitarbeiter in Nienburg aber verstehen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, Hubert Meyer. Es gebe zum Teil sehr unangenehme Erfahrungen. Das Thema Sicherheit sei laut Meyer besonders nach dem Attentat auf den Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont vor drei Jahren diskutiert worden. Es habe allerdings die überwiegende Haltung geben, dass sich Verwaltungen nicht abschotten dürfen. Sie seien Serviceeinrichtungen, zu denen Bürger leichten Zugang haben sollten.

Weitere Informationen
8 Bilder

Barsinghausen: Brandanschlag auf das Rathaus?

In Barsinghausen haben in der Nacht drei Autos vor dem Rathaus gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Wenige Stunden zuvor hatten 1.500 Bürger gegen Fremdenhass demonstriert. (28.01.2016) Bildergalerie

Abschied vom getöteten Landrat Butte

In Hameln haben mehr als 1.000 Menschen an der Trauerfeier für den ermordeten Landrat Rüdiger Butte teilgenommen. Der Fall hat eine Debatte über Sicherheit in Behörden angestoßen. (05.05.2013) mehr

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 01.02.2016 | 14:30 Uhr