Stand: 31.05.2017 17:23 Uhr

Neue Naturschutzstrategie soll Insekten retten

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Umweltminister Wenzel hat die Naturschutzstrategie dem Tierfilmer Heinz Sielmann gewidmet. (Archivbild)

Zwei Tage vor seinem 100. Geburtstag ist dem 2006 verstorbenen Tierfilmer Heinz Sielmann eine besondere Ehre zuteil geworden. Umweltminister Stephan Wenzel (Grüne) widmete Sielmann, dessen Stiftung ihren Sitz bei Duderstadt im Landkreis Göttingen hat, am Mittwoch die neue niedersächsische Naturschutzstrategie. Im Mittelpunkt des Konzeptes stehen die Umweltbildung, der Artenschutz, der Schutz von Wasser, Luft und die Förderung der Vielfalt der Landschaften. "Sielmanns Arbeit ist ein leuchtendes Vorbild, insbesondere auch für den Artenschutz, der sich aktuell zu einem der dringendsten Probleme unseres Ökosystems entwickelt", sagte Wenzel.

Experten-Team zum Schutz von Insekten

Ein zentraler Punkt der Naturschutzstrategie ist der Schutz von Insekten. Ein von Wenzel eingesetztes Experten-Team soll im Umweltministerium geeignete Maßnahmen gegen den Rückgang der Bestände erforschen. "35 Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion hängt von der Bestäubungsleistung der Insekten ab", sagte der Grünen-Politiker. "Ohne Bienen wäre das Alte Land zum Beispiel nicht das Alte Land mit seinen vielen Obstbäumen." Insekten mit Schlüsselfunktionen wie Wildbienen müssten daher besser geschützt werden, so Wenzel. Ein gravierender Rückgang hätte dramatische Folgen für die Landwirtschaft aber auch für die Vogelbestände, die auf die Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind.

Zahl der Vögel geht stark zurück

Der bisherige gesetzliche Rahmen habe nicht ausgereicht, um die hiesige Insekten- und Vogelpopulation ausreichend zu schützen, kritisierte Wenzel. Die Zahl der Feldvögel wie Kiebitz, Goldammer oder Heidelerche sei in Niedersachsen seit der Jahrtausendwende um rund 35 Prozent zurückgegangen. Pestizide und andere Chemikalien die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt würden, ständen in Verdacht, für das massive Insektensterben verantwortlich zu sein. Die Feldvögel fänden anschließend nichts zu Fressen.

Ein Konzept mit vielen Zielen

Die Naturschutzstrategie formuliert insgesamt 14 übergeordnete Leitziele und benennt für 28 Schwerpunktziele konkrete Aufgabenkataloge. Dazu gehören zum Beispiel auch die Reduzierung von Schadstoffen, besondere Maßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung von Heiden, Gewässern und Mooren, eine Naturschutz gewährleistende Bewirtschaftung der Landeswälder und auch die Umsetzung des Masterplan Ems. "Nach intensiven Beratungen liegt erstmals ein umfassendes Konzept der strategischen Planung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und für die Förderung der biologischen Vielfalt vor", so Wenzel.

NABU äußert Bedenken

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Der NABU befürchtet, dass der Kiebitz schon bald aus Niedersachsen verschwunden sein könnte. (Archivbild)

Der Naturschutzbund (NABU) begrüßt die Pläne von Wenzel grundsätzlich. "Wir sehen die Strategie als einen ersten Schritt, durch den natürliche Waldbereiche und viele weitere Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt in Niedersachsen erhalten und entwickelt werden können", sagte der NABU-Landesvorsitzende Holger Buschmann. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der Naturschutzstrategie sei allerdings eine deutliche Aufstockung der finanziellen Ressourcen. "Anderenfalls wird sie ein Papiertiger", so Buschmann. Ohne stärkere Bemühungen des Landes werde es zum Beispiel nicht mehr lange dauern, bis gefährdete Vogelarten wie der Kiebitz komplett aus der Landschaft verschwunden seien.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 31.05.2017 | 18:00 Uhr

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