Stand: 02.02.2017 11:00 Uhr

Mumien im CT: Erforschung einer "Herrin des Hauses"

Am Mittwoch sind drei ägyptische Mumien im St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim per Computertomografie untersucht worden. Und zu einer Verstorbenen, einer Leihgabe aus dem schottischen Aberdeen, liegen vorläufige Ergebnisse vor, wie das Roemer- und Pelizaeus-Museums noch am selben Tag mitteilte. Einer Inschrift zufolge handele es sich vermutlich um den Körper einer Frau, die vor rund 2.400 Jahren im nordägyptischen Luxor gelebt haben soll. Sie soll eine "Nebet per" sein - eine "Herrin des Hauses", so steht es zumindest auf ihrem Sarg. Äußerlich sei die Mumie völlig intakt und mit einem Perlennetz verziert, so das Museum. Die Ergebnisse zu den beiden anderen Mumien, sie stammen aus der anthropologischen Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen, stehen noch aus.

Eine Mumie liegt in einem CT-Gerät.

Bringt CT-Scan von Mumien die Medizin voran?

Hallo Niedersachsen -

Drei ägyptische Mumien wurden in Hildesheim einer Computertomografie unterzogen. Die Forscher knüpfen daran große Hoffnungen, etwa beim Verstehen von Infektionen.

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Konturen des Körpers lebensnah erhalten

Unter den Binden der Aberdeen-Mumie offenbare sich ein Erhaltungszustand, "der auf höchstes Balsamierungsniveau schließen lässt", erklärte Ägyptologe Oliver Gauert vom Museum in einer Mitteilung. Die inneren Organe der "Herrin des Hauses" seien sorgfältig entfernt und die Leibeshöhlen mit einem Füllmaterial ausgestopft worden. Um welches Material es sich handelt, sei noch nicht geklärt. Durch die Arbeiten der Balsamierer seien die Konturen des Körpers lebensnah zu erhalten.

Genaues Geschlecht soll bald bekannt sein

Der gesamte Körper sei nach dem Tod der Frau mit rund 50 Lagen Leinen umwickelt worden, so Mumien-Experte Gauert. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagte der Forscher. Die aufwendige Konservierung und Befüllung der Leibeshöhlen, die durch die Entnahme der Organe und des Gehirns entstanden waren, würden auf die Zugehörigkeit der Verstorbenen zur ägyptischen Oberschicht deuten. An dieser Stelle aber betonte der Experte, dass es sich durchaus auch um einen Mann handeln könne. Schließlich gebe es auch Fälle, bei denen nicht die richtige Mumie im Sarg liegt. Ein Ergebnis zum Geschlecht wird in den kommenden Wochen erwartet.

Mumien im CT: Eingewickelt für die Ewigkeit

Museum plant Gesichtsrekonstruktion

Mithilfe der CT-Daten soll auch das Gesicht der Ägypterin rekonstruiert werden. Dafür wurde laut Gauert eine besonders hochauflösende Untersuchung des Schädels durchgeführt. Bei einer ersten Betrachtung des Kopfes stellten die Experten fest, dass der Verstorbenen zahlreiche Zähne fehlten, außerdem weise die Wirbelsäule nur wenig Abnutzungserscheinungen auf - was auf ein eher junges Sterbealter hinweise.

Bereits 24 Mumien und Teile untersucht

Die Untersuchungen der drei Mumien erfolgt im Rahmen des Hildesheimer Mumienforschungsprojektes. Die Arbeiten dazu begannen im Jahr 2015 vor der Sonderausstellung "Mumien der Welt". Im Zuge dessen wurden bereits 24 Mumien und Mumienteile aus Ägypten, Peru und den Kanarischen Inseln untersucht.

Wissenschaftler sehen Chancen für moderne Medizin

Die Computertomografie-Ergebnisse sollen auch der Medizin dienen, wie das Museum mitteilte: Der Nachweis von Infektionskrankheiten könne interessante Erkenntnisse hervorbringen. Mit dem Nachweis solcher Krankheiten wollen die Hildesheimer Mumienforscher künftig einen speziellen Schwerpunkt setzen. Dabei geht es zum Beispiel darum herauszufinden, wie sich Erreger ausgebreitet haben. Die Untersuchung von Mumien könne zur Lösung drängender medizinischer Probleme von heute beitragen, sagte Gauert: "Sie ist Forschung für die Lebenden." Zum Beispiel: In den Mumien seien Krankheitserreger konserviert, "die isoliert werden können und deren sequenzierte Genome wertvolle Informationen über die Evolution dieser Bakterien liefern können, die unmittelbaren Eingang in die medizinische Forschung finden", so Forscher Gauert.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.02.2017 | 19:30 Uhr

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