Stand: 08.02.2016 12:26 Uhr

Molotow-Attacke in Hannover: Viele Fragen offen

Drei Tage nachdem Unbekannte in Hannovers Innenstadt zwei Molotow-Cocktails vom Dach der Ernst-August-Galerie auf den Gehweg geworfen haben, sucht die Polizei weiterhin fieberhaft nach den Tätern. Die Auswertung der auf dem Parkdeck gesicherten Spuren habe begonnen, sagte ein Polizeisprecher NDR.de. Neben den Spuren, die er nicht näher definierte, habe man Videomaterial aus Überwachungskameras sichergestellt. "Das werden wir nun zunächst sichten", so der Sprecher. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei keine Angaben, wie viele Kameras sich auf den Parkdecks des Einkaufzentrums befinden. Noch immer hofft die Polizei zudem, dass sich weitere Zeugen melden, die zu der Attacke weiterführende Angaben machen können. Erste Zeugen hatten sich am Wochenende gemeldet. Sie werden nun vernommen.

Polizei geht von mehreren Tätern aus

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, wie der oder die Täter - ohne Aufsehen zu erregen - auf das Dach gelangt sein könnten: Da der Zugang zu den Parkdecks offen ist, hätten sowohl Autofahrer als auch Fußgänger ohne Probleme zu den Auto-Stellplätzen gelangen können. Offen ist, ob das Videomaterial der Polizei hierzu Erkenntnisse liefert. Dass jemand allein und zu Fuß die Molotow-Cocktails unbemerkt auf das Dach gebracht haben könnte, schließt die Polizei offenbar aus.

Polizei: "Sehr gefährlicher Vorfall"

Warum am Freitag aber offenbar nicht mehr Menschen aufgefallen ist, dass auf dem Parkhaus-Dach mit präparierten Flaschen hantiert wird, ist zumindest erstaunlich: Die Galerie in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof ist ein stark frequentiertes Einkaufszentrum und kurz vor Ladenschluss um 20 Uhr könnte auf dem Parkdeck zum Zeitpunkt der Attacke vermutlich sogar Hochbetrieb geherrscht haben. Als die beiden offenbar mit Benzin gefüllten und mit einer Lunte versehenen Flaschen am Freitagabend gegen 19.50 Uhr auf dem Gehweg vor der Ernst-August-Galerie aufschlugen, war die Innenstadt noch belebt - schließlich waren die Geschäfte noch geöffnet. Obwohl sich laut Polizei "diverse Passanten in unmittelbarer Nähe" befanden, wurde niemand verletzt. Die Brandsätze hatten sich aus bislang ungeklärter Ursache nicht entzündet.

Trotz des glimpflichen Ausgangs wertet die Polizei die Aktion als "sehr gefährlich" und ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. Die Aktion sei aber ein "Einzelfall". Einen Zusammenhang zu mehreren Bränden am Hauptbahnhof in der Nacht zu Sonntag gebe es trotz örtlicher und zeitlicher Nähe nicht. "Darauf gibt es gar keine Hinweise", so der Sprecher.

Zwei Passanten bekommen Flüssigkeit ab

Zwei Passanten hatten nach Polizeiangaben die Einsatzkräfte alarmiert, nachdem sie etwas von der Flüssigkeit der herunterfallenden Flaschen abbekommen hatten. Daraufhin seien sie hoch ins Gebäude gerannt und hätten eine Person davonlaufen sehen, so der Sprecher. Die Polizei leitete sofort eine Fahndung ein und setzte auch einen Hubschrauber ein - vergeblich. Auf dem Dach des Einkaufscenters stießen die Beamten auf drei weitere mit einer Lunte versehene und offenbar mit Benzin gefüllte Flaschen. Eine davon brannte, konnte aber schnell gelöscht werden. Wer verdächtige Personen auf dem oberen Parkdeck oder im Bereich des Einkaufscenters gesehen hat oder andere Hinweise geben kann, wird gebeten, sich unter Telefon (0511) 109 55 55 zu melden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.02.2016 | 08:00 Uhr