Stand: 18.03.2016 12:21 Uhr

Missbrauch: Kinderarzt wehrt sich gegen Urteil

Eine Woche nach seiner Verurteilung wegen schweren sexuellen Missbrauchs von 21 Jungen hat ein Kinderarzt gegen den Richterspruch Revision eingelegt. Ein entsprechender Antrag der Verteidigung sei beim Augsburger Landgericht eingegangen, sagte ein Sprecher am Freitag. Der Mediziner, der früher unter anderem in Hannover tätig war, war vergangenen Donnerstag zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Landgericht sah es in seinem Urteil als erwiesen an, dass er sich in einem Zeitraum von rund 15 Jahren reihenweise an Jungen vergangen hat. Sein jüngstes Opfer war vier Jahre alt. Nach dem Ende der Haftstrafe wird der 41-Jährige nicht auf freien Fuß kommen, die Richter ordneten eine anschließende Sicherungsverwahrung an. Außerdem sprach das Gericht ein lebenslanges Berufsverbot aus.

Missbrauch in Garbsen sorgt für Schlagzeilen

Der Missbrauch eines Fünfjährigen durch den Arzt in Garbsen (Region Hannover) im August 2014 hatte für Schlagzeilen gesorgt. Der damals in Hannover tätige Mediziner lockte das Kind in sein Auto, betäubte es mit einem Medikament und verging sich an dem Jungen in seiner Wohnung. Später setzte er das benommene Opfer an anderer Stelle wieder aus. In der Folgezeit kamen die Ermittler dem Arzt anhand von genetischen Spuren, die er bei früheren Taten in Augsburg und München hinterlassen hatte, auf die Spur.

Richter wirft Angeklagtem "Lebenslügen" vor

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Prozess in Augsburg: Die Anwälte des Kinderarztes aus Hannover, der 21 Jungen sexuell missbraucht haben soll, fordern maximal neun Jahre Haft. Danach soll der Mann in eine Klinik. (04.03.2016) mehr

In der Urteilsbegründung warf der Vorsitzende Richter dem Arzt vor, noch während des Verfahrens seine "Lebenslügen" und "Beschönigungsversuche" aufrechterhalten zu haben. Die ganze Wahrheit sei erst nach und nach ins Licht gekommen, weil die Vorfälle im Prozess aufgedeckt worden seien.

Verteidigung wollte Sicherungsverwahrung verhindern

Der angeklagte Arzt hatte während des Prozesses alle Missbrauchsfälle zugegeben. Deshalb hatte die Verteidigung versucht, ein geringeres Strafmaß zu erreichen. Sie hielt ein Strafmaß von maximal neun Jahren für angemessen. Sie wollte erreichen, dass keine Sicherungsverwahrung verhängt wird und ihr Mandant dafür zur Therapie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen vierzehneinhalb Jahre Haft sowie die Verwahrung gefordert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.03.2016 | 14:30 Uhr