Stand: 08.03.2016 15:19 Uhr

Messerangriff: Jetzt redet der Vater

von Djamila Benkhelouf, Esra Özer & Barbara Schmickler

Im Fall des Messerangriffs auf einen Bundespolizisten am Hauptbahnhof Hannover Ende Februar mehren sich die Anzeichen für einen islamistischen Hintergrund der Tat. Der Vater der 15 Jahre alten mutmaßlichen Täterin Safia stellt einen Zusammenhang her zwischen der streng religiösen Erziehung des Mädchens und ihrer Tat.

In einem Exklusiv-Interview mit Panorama 3 beschreibt Mohammed Robin S. seine Tochter als "liebes Mädchen" und als gute Schülerin. "Ich hätte ihr das nie zugetraut. Sie hat nie Gewalt gezeigt. Das muss irgendwo ein Aufruf aus dem Internet sein, da bin ich mir sicher. Sonst würde sie so was nicht machen. Ich weiß nicht, was sie ihr versprochen haben."

Nach Darstellung ihres Vaters machte sich Safia im Januar auf den Weg nach Syrien. Von der Türkei aus habe sie sich bei ihrer Mutter gemeldet. Diese sei sofort hinterhergefahren und habe Safia wieder nach Hause gebracht. Die näheren Umstände dieses Aufenthaltes sind unklar. Der ältere Bruder Safias, Schouaib, sagt, dass er sie anschließend zur Rede gestellt habe: Warum sie das gemacht habe, wollte er wissen. "Daraufhin wurde sie frech und hat mich abgestoßen." Das gehe ihn nichts an.

Interview

"Sie wurde gezwungen, den Koran zu lernen"

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Safias deutscher Vater ist zum Islam konvertiert, die Mutter lebt streng religiös und erzieht ihre Kinder dementsprechend. Die Eltern trennten sich früh. Danach wuchsen Safia und ihre zwei älteren Brüder bei der Mutter auf. "Die Kinder wurden viel gezwungen, den Koran zu lernen. Freizeit und spielen war nicht so drin", so der Vater. Bruder Schouaib sagte Panorama 3: "Meine Mutter wollte uns höchstwahrscheinlich auf das Leben vorbereiten. Ich bin dankbar, dass wir jetzt Arabisch können. Aber wir hätten auch ein bisschen mehr Freizeit genießen können."

Safia besuchte Islamkreis in Hannover

Safia habe regelmäßig den deutschsprachigen Islamkreis in der Nordstadt von Hannover besucht, der seit Längerem vom Verfassungsschutz Niedersachsen beobachtet wird. Zu den Auftritten seiner Tochter in Internetvideos mit dem radikalen Salafisten-Prediger Pierre Vogel sagt Mohammed Robin S.: "Ein Mädchen, das aus dem Koran rezitiert, das ist ja keine Bedrohung. Es gibt ja auch welche, die aus der Bibel rezitieren. Aber da rechnet ja keiner damit, dass du dann nachher so was Grausames machst."

Bruder wollte sich dem IS anschließen

Safias zweiter Bruder machte sich nach den Worten des Vaters und des Bruders Anfang des Jahres offenbar nach Syrien auf, um sich dort dem IS anzuschließen. An der türkisch-syrischen Grenze sei er jedoch verhaftet worden. Seitdem sitze er in der Türkei in Untersuchungshaft. In Deutschland sei für seinen Sohn "so vieles zusammengebrochen. Die Schule hat nicht geklappt, sie haben ihm nicht erlaubt auf eine andere Schule zu gehen", erzählt Mohammed Robin S. Die Oberstaatsanwaltschaft Hannover ermittelt in verschiedene Richtungen und überprüft derzeit unter anderem, ob die 15-Jährige Kontakt zu extremen Islamisten hatte.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 08.03.2016 | 21:15 Uhr