Stand: 11.03.2016 19:54 Uhr

Messerangriff: Gab es im Vorfeld Hinweise?

Der Fall eines 15-jährigen Mädchens, das im Hauptbahnhof in Hannover mit einem Messer auf einen Polizisten eingestochen haben soll, wirft viele Fragen auf. Die wichtigste lautet wohl: Gab es Hinweise auf die Tat - und, falls ja - hätte diese verhindert werden können? Vier Stunden lang ließ sich am Freitag der Innenausschuss des Landtags unter Ausschluss der Öffentlichkeit unterrichten. Ein Eilantrag des Anwalts der 15-Jährigen, der die vertrauliche Unterrichtung verhindern wollte, war zuvor vom Gericht abgelehnt worden. Über den Inhalt der Befragung dürfen die Parlamentarier wegen der laufenden Ermittlungen nichts sagen. Aus der Sitzung sei allerdings hervorgegangen, dass "die Schule, die Polizei und der Verfassungsschutz sich deutlich intensiver mit dem Mädchen hätte befassen müssen", sagte der parlamentarische Geschäftsführer Jens Nacke (CDU) im Anschluss.

Anwalt beklagt Vorverurteilung

Andere Parlamentarier sagen, dass es trotz allem keine Hinweise darauf gegeben hätte, dass das Mädchen gewalttätig werden könnte. Inzwischen hat sich auch der Anwalt der 15-Jährigen, Dirk Schoenian, zu Wort gemeldet. Er beklagt eine Vorverurteilung seiner Mandantin durch die Medien und sieht ein rechtsstaatliches Verfahren gefährdet. In einer Pressemitteilung weist er auf die Unschuldsvermutung und den besonderen Persönlichkeitsschutz von Minderjährigen hin. Zudem betont er in der Mitteilung, dass ein Zusammenhang zwischen der Tat und der Religion des Mädchens sowie ein IS-Bezug reine Spekulation seien.

Pistorius: "Ein heimtückisches Gewaltverbrechen"

Als Konsequenz aus der Messerattacke sollen Minderjährige ab 14 Jahren weiter vom Verfassungsschutz beobachtet werden dürfen. Innenminister Boris Pistorius hatte eine entsprechende Empfehlung am Mittwoch im Landtag verteidigt. Eine Erhöhung des Mindestalters auf 16 Jahre war in einem rot-grünen Gesetzentwurf zur Neuausrichtung des Verfassungsschutzes noch ausdrücklich vorgesehen. Pistorius hatte die Tat im Landtag "ein heimtückisches Gewaltverbrechen" genannt.

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