Stand: 29.01.2016 06:54 Uhr

Mehr Polizei in Barsinghausen nach zweitem Brand

Waren es dieselben Täter, die auch für den Brandschlag auf das Asylbewerberheim am Sonnabend verantwortlich waren? Das ist die Frage, die die Ermittler nach einem erneuten Feuer in Barsinghausen (Region Hannover) umtreibt. Bislang fehlt eine heiße Spur in dem Fall - das haben Staatsanwaltschaft, Polizei und Verwaltung am Donnerstag in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Doch sieht der Polizeivizepräsident der Polizeidirektion Hannover, Thomas Rochell, eine "deutlich andere Vorgehensweise" bei den beiden Taten. Dass der zweite Brand einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe, sei eine Hypothese, die eine "vordere Priorisierung" habe, sagte Rochell weiter - "doch es gibt auch andere Motivlagen." Am Mittwochabend hatten etwa 1.500 Menschen in Barsinghausen gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Später in der Nacht sind hinter dem Rathaus der 36.000-Einwohner-Stadt mehrere Autos in Flammen aufgegangen. Der Gesamtschaden des zweiten Feuers liegt bei etwa 160.000 Euro. Der Bürgermeister der Stadt, Marc Lahmann (CDU) kündigte an, dass die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt erhöht werden.

Ermittlungsgruppe des Staatsschutzes eingesetzt

Die Verstärkung für die Polizei soll aus Garbsen kommen, sagte Rochell am Donnerstag. "Akribie und ein langer Atem" seien jetzt gefordert. Eine Ermittlungsgruppe des Staatsschutzes sei eingerichtet, sie bestehe aus etwa zehn Personen. Erste Erkenntnisse in dem zweiten Fall sprechen für eine erneute Brandstiftung. Denn zumindest zwei der Fahrzeuge standen so weit voneinander entfernt, dass ein Feuer nicht von selbst hätte übergreifen können. Die Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes haben die Fahrzeuge untersucht. Sie gehen von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus.

Pistorius: "Gewalt gegen unseren Rechtsstaat"

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Barsinghausen: Brandanschlag auf das Rathaus?

In Barsinghausen haben in der Nacht drei Autos vor dem Rathaus gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Wenige Stunden zuvor hatten 1.500 Bürger gegen Fremdenhass demonstriert. Bildergalerie

Erste Reaktionen gab es aus der niedersächsischen Politik. "Ganz egal, aus welcher Richtung der Anschlag der vergangenen Nacht in Barsinghausen erfolgt ist, wir haben es hier mit gefährlicher Gewalt gegen unseren freien und demokratischen Rechtsstaat zu tun", sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). "Ich hoffe, dass die Arbeit der jetzt eingerichteten Ermittlungsgruppe dazu führen wird, die Täter schnell zu ermitteln, um sie ihrer Strafe zuzuführen." Hannovers Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) sagte: "Ich bin entsetzt über die feigen Brandanschläge von gestern Nacht und hoffe sehr, dass die Polizei schnell den oder die Täter ermitteln wird. Die Brandanschläge waren nicht nur Anschläge auf das Rathaus von Barsinghausen, sondern auf die freiheitliche demokratische Grundordnung."

Suche nach der Brandursache

Ein Anwohner hatte am Donnerstagmorgen gegen 3.30 Uhr die Einsatzkräfte alarmiert. Neben den drei völlig ausgebrannten Autos wurde laut Polizei auch das Rathaus in Mitleidenschaft gezogen. Unter anderem seien ein Teil der Gebäudemauer verrußt und einige Kunststoff-Fenster angeschmolzen. Schlimmeres verhinderte offenbar der schnelle Einsatz der Feuerwehr. "Fünf Minuten später und der Brand wäre auch auf das Rathaus übergegangen", sagte Stadtbrandmeister Dieter Engelke.

Stadt informiert wegen Brandanschlag vom Wochenende

Als Reaktion auf den Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsunterkunft am vergangenen Wochenende lud die Stadt am Donnerstagabend im Zechensaal des Besucherbergwerks Klosterstollen zu einer Informationsveranstaltung ein.

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Aktuell | 28.01.2016 | 14:00 Uhr