Stand: 15.08.2015 18:16 Uhr

Kleines Flüchtlingsbaby namens Angela Merkel

Bild vergrößern
Mutter Ophelya hat ihre kleine Tochter Angela Merkel genannt - aus Dankbarkeit.

Auf den ersten Blick sieht es immer noch aus wie ein ganz normales Krankenhaus: lange Gänge, Linoleumböden. Doch in den Patientenzimmern und OP-Sälen des ehemaligen Oststadtkrankenhauses in Hannover leben jetzt Flüchtlinge; auf den Gängen spielen Kinder. Mit mehr als 730 untergebrachten Menschen ist die ehemalige Klinik die größte Notunterkunft in Niedersachsen. Eine von den Neuankömmlingen ist die 26-jährige Ophelya Adé aus Ghana. Sie hat ihre Tochter in Hannover zur Welt gebracht. Ophelya hat ihrem Kind aus Dankbarkeit einen ganz besonderen Vornamen gegeben: Ihr sechs Monate altes Baby heißt Angela Merkel - Angela Merkel Adé.

Flüchtlinge bis 2018 in der Klinik

Der Vorname Merkel

Während Merkel im Ausland auch für Mädchen oder als Unisexname benutzt wird, ist er in Deutschland als männlicher Vorname bekannt. Das teilte die Stadt Hannover mit. Bei sehr ungewöhnlichen oder seltenen Namen erhielten Eltern zwar eine Beratung durch das Standesamt, bevor der Name offiziell festgelegt wird. Grundsätzlich können sie den Vornamen ihres Kindes in Deutschland aber frei wählen, sofern das Kindeswohl nicht beeinträchtigt wird. Möglich macht das ein Beschluss des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2005. Demnach ist jedes Wort als tauglicher Vorname anzusehen, wenn es sich klanglich oder inhaltlich als solcher begreifen lässt.

Ophelya und Töchterchen Angela Merkel dürfen in der Notunterkunft bleiben. Betrieben wird das Heim vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Nach jüngsten Angaben der Stadt soll die Einrichtung bis zum Jahr 2018 bestehen bleiben. Das Gebäude, in dem die Flüchtlinge wohnen, sei vorerst nicht von dem Umbauplänen auf dem Gelände betroffen, sagte ein Stadtsprecher. Trotz der Enge wirken die Bewohner einigermaßen entspannt. Sie haben es geschafft. Vorerst. Die meisten kommen aus Syrien, dem Irak oder aus afrikanischen Ländern; viele waren monatelang unterwegs und sind über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet.

Traumata, Aufarbeitung und die Hoffnung auf Arbeit

Im ehemaligen Krankenhaus kümmern sich nun 22 Sozialarbeiter um die zum Teil schwer traumatisierten Menschen. Die Aufarbeitung des Erlebten sei für sie eine große Herausforderung. Außerdem seien viele Flüchtlinge ungeduldig, weil sie möglichst schnell arbeiten wollen, sagen die Mitarbeiter. Obwohl sehr viele Menschen unterschiedlicher Herkunft auf engem Raum zusammenleben, müsse die Polizei selten anrücken, heißt es. Die Flüchtlinge versuchen nun, in Deutschland Fuß zu fassen.

Weitere Informationen

Flüchtlinge beziehen Messehalle 21

Am Mittwoch sind rund 100 Flüchtlinge auf dem Messegelände in Hannover angekommen. Sie ziehen vorübergehend in die Messehalle 21. Verschiedene Ämter betreuen sie vor Ort. (12.08.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 13.08.2015 | 18:40 Uhr