Stand: 09.02.2016 15:30 Uhr

Kirchenkünstler steht unter Nazi-Verdacht

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Die Scharniere des Karfreitags-Altars im Kloster Mariensee bei Hannover sind als abgerundete Hakenkreuze dargestellt.

Welche Rolle spielte der Nationalsozialismus in den Werken des umstrittenen norddeutschen Künstlers Erich Klahn? Wie nah stand der Künstler völkisch-nationalen Kreisen? Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover hat am Dienstag ein Gutachten vorgestellt, das diesen Fragen auf den Grund gegangen ist. Darin erklärt Kunsthistoriker Herbert Pötter, dass Klahn bis 1945 religiöse und politische Motive vermischte. Besonders offenkundig ist diese Vermischung auf dem Karfreitags-Altar des Klosters Mariensee bei Hannover. Darauf befinden sich Runen und ein gerundetes Hakenkreuz, die als Scharniere getarnt sind. Derzeit ist der Altar nicht öffentlich zugänglich.

Ein Hakenkreuz als Türscharnier.

Landeskirche überprüft Kunst von Erich Klahn

Hallo Niedersachsen -

Runen und abgerundete Hakenkreuze auf Altären: Die Landeskirche Hannover hat ein Gutachten zu den Werken des umstrittenen Künstlers Erich Klahn vorgestellt.

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Christus-Darstellung erinnert stark an Nazi-"Märtyrer"

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Die Darstellung des Christus auf dem Flügelaltar im Kloster Amelungsborn erinnert einem Gutachter zufolge stark an Albert Leo Schlageter.

Einen Bezug zum Nationalsozialismus stellte das Gutachten auch bei dem Thomas-Altar in Amelungsborn bei Holzminden fest. Der Christus erinnere laut Pötter stark an die Darstellung Schlageters auf Klahns Gemälde "Erschießung von Albert Leo Schlageter", das ebenfalls 1930 entstand. Schlageter war 1922 Gründungsmitglied einer Tarnorganisation der NSDAP und wurde nach seiner Verurteilung und Hinrichtung durch ein französisches Militärgericht von den Nazis als Märtyrer verehrt.

Klosterkammer will sich von Klahn-Werken trennen

In den vergangenen Jahren hatte es bereits mehrere Gutachten zu den Werken Klahns gegeben, die die Nähe des Künstlers zur rechten Ideologie belegt haben. Ein von der Klosterkammer Hannover in Auftrag gegebenes Gutachten war zu dem Schluss gekommen, dass Klahn seit den frühen 20er-Jahren politisch rechts und antiparlamentarisch eingestellt war. Dem Gutachten zufolge blieb er dieser Überzeugung bis zum Kriegsende treu. Auch ein Kieler Kunsthistoriker hatte die Nähe Klahns zu völkisch-nationalen Kreisen in einer Expertise herausgearbeitet. Die Klosterkammer hatte im Frühjahr 2014 ihre Zusammenarbeit mit der Klahn-Stiftung gekündigt. Auch will sie die Werke nicht länger im Klahn-Museum im Kloster Mariensee bei Hannover zeigen. Doch das wollen seine Erben nicht hinnehmen. Für Ende Februar ist ein Termin vor dem Oberlandesgericht Celle angesetzt.

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Neues Gutachten zum Künstler Erich Klahn

Die Klosterkammer Hannover möchte sich vom Nachlass des angeblich NS-nahen Künstlers Erich Klahn trennen. Das darf sie nicht, entschied ein Gericht im März. Nun liegt ein neues Gutachten vor. (03.07.2015) mehr

Klahn schuf sieben Flügelaltäre

Klahn schuf zwischen 1928 und 1959 unter anderem sieben Flügelaltäre, von denen fünf noch in Gebrauch sind. Kirchen gehörten zu seinen wichtigsten Auftraggebern. In Niedersachsen stattete er die Taufkapelle in der Celler Stadtkirche, das Kloster Amelungsborn bei Holzminden, die Evangelisch-lutherische Kirche zu Abbehausen in Nordenham (Landkreis Wesermarsch), die Christuskirche zu Bad Eilsen (Landkreis Schaumburg) sowie das Kloster Mariensee bei Hannover mit Altären aus. Hinzu kommen zwei von Klahn gestaltete Altäre in Thüringen sowie Fenster, Bilder und Kunstteppiche für Kirchen in Norddeutschland. Einer seiner Wandteppiche hing bis vor Kurzem im niedersächsischen Landtag, der zurzeit umgebaut wird.

Tagung zu "Kunst und Kirche im 'Dritten Reich'"

Unter dem Titel "Künstler und Kirche im 'Dritten Reich' - Mitgestalter oder Mitläufer?" laden die Landeskirche, die Hanns-Lilje-Stiftung sowie die Akademie Loccum am 14. März zu einer Tagung ein. Hannovers Landesbischof Ralf Meister sagte, die Landeskirche wolle jetzt eine Diskussion über den in Celle gestorbenen Künstler anregen. Denkbar wäre, Klahn in einer Ausstellung einzuordnen, sagte Meister. "Es wird derzeit keine Diskussion geführt, dass wir die Kunstwerke abhängen." Die Kuratoriumsvorsitzende der Lilje-Stiftung, Susanne Rode-Breymann, kritisierte unterdessen, dass die Tagung zu früh komme. "Erst sollte man über das Gutachten die Köpfe beugen", sagte sie. Es fehlten zudem namhafte Kunsthistoriker, auch die Klosterkammer Hannover sowie die Familie des Künstlers müssten beteiligt werden, argumentierte Rode-Breymann, die auch Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover ist.