Stand: 21.01.2016 21:11 Uhr

Kein Schreddern mehr dank "Zweinutzungshuhn"?

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Die männlichen Geschwister dieser Legehennen werden direkt nach dem Schlüpfen geschreddert. (Archivbild)

Es ist ein grausiges Prozedere in der Geflügelwirtschaft: 45 Millionen männliche Küken, die nicht für die Legehennen-Zucht verwendet werden können, landen in Deutschland jedes Jahr im Schredder. "Bei Hühnern, die für die Eiererzeugung gezüchtet wurden, haben die männlichen Tiere keinen direkten Nutzen für den Verbraucher, da sie weder Eier legen können noch ausreichend Fleisch ansetzen", erklärt der Präsident der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), Gerhard Greif. "Darum werden sie kurz nach dem Schlupf getötet und als Tierfutter eingesetzt."

Zuchtziel "Zweinutzungshuhn"

Bis 2017 soll sich diese Praxis nach dem Willen der Bundesregierung allerdings ändern. Die TiHo hat deshalb nun ein Projekt gestartet. Im Mittelpunkt steht das sogenannte Zweinutzungshuhn. Bei dieser Zuchtlinie können die weiblichen Tiere weiterhin als Legehennen genutzt werden, die männlichen werden für die Fleischproduktion gemästet.

Hoffnung: Neue Hühner sind gesünder

Die Wissenschaftler vergleichen auf dem hochschuleigenen Lehr- und Forschungsgut Ruthe bei Hannover das Zweinutzungshuhn mit einer herkömmlichen Zuchtlinie. In der konventionellen Mast werden die Hühner nach etwa 33 Tagen geschlachtet, die ersten Hühner der neuen Zucht hatten 75 Tage Zeit zum Wachsen. So wiegt auch das halbe Brathähnchen neuer Art stolze 800 Gramm, bei einem Fleischanteil von 51 Prozent, während der übliche halbe Hahn 450 bis 500 Gramm auf die Waage bringt, allerdings bei 65 Prozent Fleischanteil.

"Eher ein Brathuhn für die ganze Familie"

Eine Hoffnung ist, dass die langsamer wachsenden Dual-Hühner ein besseres Immunsystem haben und so weniger anfällig für Krankheiten sind. Kritisiert wird immer wieder der Einsatz von Antibiotika in der Geflügelmast. "Wichtig ist es, Feedback von den Verbrauchern zu bekommen", sagte Projektleiterin Silke Rautenschlein am Donnerstag. Deshalb werden in neun Mensen des Studentenwerks Hannover Tiere aus Ruthe als Brathähnchen verkauft. Anschließend werden die Mensagäste zu ihren Eindrücken befragt. Allerdings: "Es ist ein ganz exklusives Tier. Ich sehe seine Zukunft eher als Brathuhn für die ganze Familie, nicht unbedingt in einer Kantine", sagte der Leiter des Forschungsguts Ruthe, Christian Sürie.