Stand: 03.09.2015 21:43 Uhr

Internet-Morddrohungen gegen Tierpark-Chef

"Dir sollte man auch mal die Kehle durchschneiden!" Das war nach Polizeiangaben nur eine der Drohungen, die der Pyrmonter Tierparkleiter Linus Kampe bekommen hat - nach einem Medienbericht über einen angeblich nicht artgerechten Umgang mit Tieren. "Die Bedrohungen waren so massiv und konkret, dass wir handeln mussten", so Udo Nacke, Leiter des Polizeikommissariats Bad Pyrmont (Landkreis Hameln-Pyrmont) am Donnerstag gegenüber NDR.de. Die Polizei fahre zurzeit deshalb Tag und Nacht am Tierpark Streife und halte nach verdächtigen Personen Ausschau. Die Drohungen kamen anonym übers Internet, die Ermittlungen dazu laufen. "Ich schätze die Chance gut ein, dass wir die Identität der Bedroher herausfinden", so Nacke.

RTL erhebt schwere Vorwürfe

Der Fernsehsender RTL hatte in einer Sendung schwere Vorwürfe erhoben. Unter anderem war kritisiert worden, dass männliche Minischweine gleich nach der Geburt getötet worden seien. Außerdem wurde darüber berichtet, dass ein Schimpanse nach dem Tod seines Artgenossen sechs Monate lang allein leben musste. Auch eine grundsätzliche "Verwahrlosung" des Tierparks wurde in dem Beitrag bemängelt. Nach einem Bericht in der "Deister- und Weserzeitung" ist Tierparkleiter Kampe entsetzt über die "unglaubliche Berichterstattung".

Kampe äußerte sich auf seiner Homepage

Kampe äußerte sich auf seiner Homepage zu den Vorwürfen: "Vielleicht hätte ich hier eine andere Lösung finden können, um eine ungewollte Vermehrung zu unterbinden", schreibt er. "Wir halten in unserem Park auch Raubtiere und somit ist die schnelle, schmerzlose Schlachtung zu Fütterungszwecken allerdings unabdingbar, es spielt hierbei keine Rolle ob es eine Kuh, eine Ratte oder ein Schwein aus dem Park ist." Im Hinblick auf den Schimpansen schreibt Kampe, dass "die Ausstellung der erforderlichen Papiere für eine Verbringung nach Wales seine Zeit brauchten".

"Es gibt zwar hin und wieder Probleme"

Nach Angaben des Landkreises Hameln-Pyrmont wird der Tierpark regelmäßig vom Kreisveterinäramt überwacht. "Es gibt zwar hin und wieder Probleme", sagte Sprecherin Sandra Lummitsch gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Aber bisher habe es immer geklappt, diese Probleme im Sinne des Tierschutzes zu lösen. Ob die Schweine von einer sachkundigen Person geschlachtet wurden, sei aber noch nicht geklärt.

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 01.09.2015 | 17:00 Uhr

mit Video

Hasspostings: Reichen die Konsequenzen?

Woher kommt der Hass gegen Flüchtlinge im Netz? Experten sagen, er sei immer da gewesen, aber in sozialen Netzwerken werde er gepusht und potenziert. mehr

Reichen Facebook-Regeln für Umgang mit Hass?

Justizminister Maas spricht von einer "Farce": Bei Beschwerden über Hasskommentare verweist Facebook immer wieder auf seine "Gemeinschaftsstandards". Doch die stehen in der Kritik. mehr