Stand: 18.11.2016 15:42 Uhr

Wo hungernde Igel wieder zu Kräften kommen

In naturbelassenen Gärten mit heimischen Pflanzen, Hecken, Sträuchern und ungemähten Rasenflächen fühlen sich Igel am wohlsten.

In den beiden kleinen Kisten quiekt es. Das Zeitungspapier, mit denen sie ausgelegt sind, raschelt. Heike Philipps greift in eine Wärmebox daneben und zieht zwei Igel hervor. Jedes der kleinen Tiere passt in eine Handfläche der 63-Jährigen. "Im Sommer kümmern wir uns um Igel, die von Gartengeräten verletzt wurden", sagt Philipps, die als ehrenamtliche Ambulanz-Leiterin im "Aktion Tier Igelzentrum" in Laatzen arbeitet. "Sobald es kühl und nass wird, nehmen wir unterernährte Tiere auf."

Igelzentrum versorgt 300 Tiere

Viel zu leicht sind auch die beiden Igel, die sie in ihren Händen hält. Sie wiegen nicht mehr als 100 Gramm. Um den Winter in der Natur überstehen zu können, müsste es das Fünffache sein. 300 Tiere versorgen Philipps und die rund 30 weiteren Helfer vom Igelzentrum derzeit. Für diese Arbeit sind die Philipps und ihr Verein für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen, mit dem das Land Niedersachsen, die VGH und die niedersächsischen Sparkassen engagierte Bürger auszeichnen. Über den Preisträger stimmen die Hörer von NDR 1 Niedersachsen ab.

Igel haben seit September gehungert

In der kalten Jahreszeit kommen bis zu 20 Igel pro Tag ins Igelzentrum - verwaiste Babys, verletzte oder untergewichtige Jungtiere. Es ist Hochsaison im Igelzentrum. In diesem Jahr geht es den Tieren besonders schlecht. "Einige unserer Igel wiegen nur 59 Gramm, die haben seit September gehungert." Schuld daran sei der Mensch, ist sich Igelpflegerin Philipps sicher. An den Rändern von Feldern und Äckern gebe es immer weniger Hecken und Büsche, in denen die Tiere Schutz finden. Und weil Insektengift eingesetzt würde, finde der Igel kaum noch Maikäfer, Asseln oder Ameisen zum Fressen. "Übrig auf der Speisekarte bleiben Schnecken und Regenwürmer, und die sind Parasitenträger und machen die Igel krank."

"Sorgenraum" für verletzte Igel

Im Igelzentrum bekommen die Tiere zweimal am Tag Futter. Morgens um 4 Uhr fangen die Mitarbeiter an, füllen die Futternäpfe auf, reinigen die Boxen und wiegen jeden Igel. Abends werden neue Tiere aufgenommen, die aufmerksame Bürger vorbeibringen. Die 300 sind auf mehrere Räume in dem umgebauten Wohnhaus verteilt. Einer davon ist der "Sorgenraum" für die verletzten Igel. Zweimal pro Woche schaut der Tierarzt vorbei. Im Jahr gibt das Igelzentrum rund 80.000 Euro für seine Patienten aus. Das meiste davon sind Spenden, öffentliche Gelder gibt es keine.

An Weihnachten ist Urlaubssperre

Die Ehrenamtlichen kümmern sich um jeden Igel, bis er wieder ausgewildert werden kann. Das bedeutet: Pflege fast rund um die Uhr. "Die Tiere fragen auch nicht, ob Feiertag oder Sonntag ist", sagt Philipps. An Weihnachten ist Urlaubssperre. Die gelernte Bankkauffrau und die anderen Helfer opfern einen Großteil ihrer Freizeit. "Es ist die Not der Igel, derer wir uns bewusst sind", sagt sie. Nicht immer sei die Arbeit schön, gerade bei schwer verletzten Tieren. Aber es gebe eben auch die Erfolgserlebnisse.

Von Preisgeld Beamer kaufen

Die Helfer kümmern sich aber nicht nur um die Igel. Sie klären auch Schulklassen über die Tiere auf. Dafür würde Heike Philipps das Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro einsetzen, falls sie den Ehrenamtspreis gewinnt. Denn bisher nutzt das Igelzentrum einen alten Diaprojektor, würde aber lieber einen modernen Beamer einsetzen. "Das Geld hat bislang nie gereicht, weil es immer für Futter, Medikamente und für Tierarztkosten ausgegeben wurde", sagt Philipps. Der Ehrenamtspreis würde das endlich ändern.

Weitere Informationen
mit Video

Ein Igelhaus zum Überwintern bauen

Einen ungestörten Winterschlaf können Igel am besten in einem Laubhaufen oder einem Igelhaus halten. Die Behausung können Naturfreunde mit einfachen Mitteln selbst bauen. (11.11.2016) mehr

mit Video

Igel im Herbst und Winter schützen

Im Herbst begeben sich Igel auf die Suche nach einem Winterquartier. Tierfreunde sollten dann besonders umsichtig sein und nur kranke und verletzte Tiere aufnehmen. (10.11.2016) mehr

Stachlige Begegnungen im Igelmuseum Bohmte

Comics, Schneekugeln, Igelskulpturen: Kurioses und Seltenes, aber auch viel Wissenswertes über die Stacheltiere bietet das einzige Igelmuseum der Welt bei Osnabrück. (30.07.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 18.11.2016 | 14:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:41

Streit um Kosten für Straßenausbau in Springe

21.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen