Stand: 12.09.2017 12:48 Uhr

Holger G. aus Lauenau und seine Rolle im NSU

In München geht der Prozess um die Mordserie des Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in die Schlussphase. Neben Zschäpe als Hauptangeklagte, für die die Staatsanwaltschaft eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung gefordert hat, sind vier mutmaßliche Unterstützer mitangeklagt. Darunter befindet sich Holger G., der 2013 in Lauenau im Landkreis Schaumburg festgenommen wurde. Inwieweit soll G. in die Machenschaften des NSU-Trios verwickelt gewesen sein? Fragen und Antworten zum Fall an NDR Redakteurin Angelika Henkel.

Was wirft die Bundesanwaltschaft Holger G. vor?

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NDR Redakteurin Angelika Henkel beantwortet Fragen zur Rolle von Holger G. im NSU und im Prozess.

Angelika Henkel: Holger G. soll dem Trio maßgeblich bei dessen Leben im Untergrund geholfen haben. Sie kannten sich aus Jugendtagen in Sachsen. G. zog 1997 nach Niedersachsen, hielt aber weiter engen Kontakt, fuhr mit dem Trio mehrmals in Urlaub. Er ist angeklagt, weil er dem NSU über Jahre falsche Papiere besorgt haben soll. Das hat er auch eingeräumt. G. will allerdings nicht gewusst haben, dass aus seinen Freunden Terroristen geworden waren. 2008 war das Trio mal wieder zu Besuch bei G. - zu dem Zeitpunkt hatten Böhnhardt und Mundlos schon zehn Menschen ermordet. G. soll geholfen haben, eine Waffe zu transportieren. Das ist allerdings verjährt und ist nicht Teil der Anklage. Bei der Vernehmung hatte G. ausgesagt, er habe eine Tasche vom ebenfalls angeklagten Ralf W. erhalten, darin die Waffe ertastet, sich erschrocken und gesagt, dass das zu weit ginge.

tagesschau.de

Bundesanwalt fordert lebenslänglich für Zschäpe

Im NSU-Prozess hat die Bundesanwaltschaft eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe gefordert. Mehr auf tagesschau.de extern

Gab es niedersächsische Opfer des NSU?

Henkel: Das Landeskriminalamt hat mögliche ältere Taten nach eigenen Angaben geprüft, aber keine Verbindungen zum NSU herstellen können. Im abgebrannten Wohnhaus des NSU wurden Kartenausschnitte, Listen über Institutionen, Verbände und Einzelpersonen aus dem gesamten Bundesgebiet gefunden. Darunter befanden sich 584 Datensätze aus Niedersachsen, unter anderem Moscheen und auch elf Landtagspolitiker. Ein Sprecher des LKA sagte dem NDR jedoch, es gebe keine Erkenntnisse, dass Personen tatsächlich gefährdet sind oder waren.

Videos
04:10

Welche Rolle spielte Holger G.?

06.05.2013 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Holger G. ist Beschuldigter und Belastungszeuge zugleich. Er hat dem NSU zu Papieren und Pistole verholfen, will aber von den Anschlägen seiner Freunde nichts geahnt haben. Video (04:10 min)

Holger G. hat gegen das NSU-Trio ausgesagt. Wie relevant ist das?

Henkel: G. gilt als Belastungszeuge. Er hat vor Gericht eine Erklärung vorgelesen, war allerdings nicht bereit, Fragen zu beantworten - offenkundig aus Angst, sich selbst zu belasten. Er hat sehr deutlich geschildert, dass er Beate Zschäpe als gleichrangiges Mitglied des Trios erlebt hat: Sie habe immer alles bezahlt, das habe er selbst mehrmals erlebt. Wörtlich sagte er vor Gericht, sie sei "durchsetzungsstark" und "kein Typ, der sich unterordnen würde". Alle Entscheidungen seien aus seiner Sicht in ihrem Beisein getroffen worden. Bei den Opfern des NSU hat sich G. vor Gericht entschuldigt.

Ist Holger G. noch in die Szene verstrickt?

Henkel: Das ist schwierig zu beantworten. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes war er 1999 auf der Hochzeit von Neonazi-Kader Thorsten Heise. Als der eine Haftstrafe verbüßte, hat Holger G. ihm auch Briefe geschrieben. G. selbst sagt, er habe sich 2004 von der Szene losgesagt. Allerdings hatte er sehr wohl auch noch später Kontakte, zum Beispiel zu der inzwischen verbotenen Neonazi-Vereinigung "Besseres Hannover". Als er festgenommen wurde, hatte er in seinem Facebook-Account diverse "Freunde" aus der Szene, von denen der Verfassungsschutz aber sagt, dass die meisten damals auch bereits seit längerer Zeit keine rechtsextremen Aktivitäten entfaltet hätten. Die Behörde jedenfalls hat keine Erkenntnisse, dass G. in den vergangenen Jahren in der niedersächsischen Neonazi-Szene engagiert war. Vor Gericht tauchte ein Foto auf, auf dem er mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahr 2006 mit dem NSU-Trio im Urlaub gewesen sein soll - das hatte er zuvor verschwiegen. Außerdem war er nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes 2011 bei einem rechtsextremen Konzert in Sachsen-Anhalt. Seine Anwälte erklären das so: Er habe sich von der Szene politisch losgesagt, dennoch hätten Freundschaften weiter existiert. So ließen sich diese Kontakte erklären.

Weitere Informationen
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Orte der Schande: Fotos der NSU-Tatorte

21.11.2016 22:45 Uhr
Kulturjournal

Die Morde des NSU geschahen mitten unter uns. 13 Jahre zogen die rechten Terroristen mordend durch Deutschland. Die Fotografin Regina Schmeken hat die Tatorte aufgesucht. Video (04:41 min)

Zschäpe belastet Mitangeklagten Holger G.

Im NSU-Prozess hat Beate Zschäpe ihren Mitangeklagten Holger G. belastet. Der Mann aus Lauenau habe von den Banküberfällen des NSU gewusst. G. hatte dies im Prozess bestritten. (12.05.2016) mehr

02:17

Holger G. und die Rolle im NSU

09.11.2012 14:00 Uhr
NDR//Aktuell

Interview mit Stefan Schölermann zur Person und Rolle von Holger G. aus Lauenau und warum er nicht früher ins Visier der Fahnder geriet. Video (02:17 min)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Tagesschau | 12.09.2017 | 12:00 Uhr

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