Stand: 07.04.2016 18:57 Uhr

Gülle-Unfall: "Das Haus wird nie wieder wie vorher"

In dem über 100 Jahre alten Haus in Bad Münder (Landkreis Hameln-Pyrmont), vor das vor rund drei Wochen ein Gülle-Laster gekippt war, haben am Donnerstag die Sanierungsarbeiten begonnen. "Wir sind froh, dass es jetzt losgeht", sagte Stephanie Herzfeldt, die Tochter der Hausbesitzerin, gegenüber dem NDR. "Allerdings müssen jetzt langsam auch mal Zahlen kommen." Da die Versicherung vermutlich nur den Zeitwert des Schadens übernimmt, hat Herzfeldt Sorge, dass ihre Mutter auf vielen Kosten sitzen bleibt. Außerdem weiß niemand, ob der Gülle-Geruch jemals ganz aus dem Haus verschwinden wird. Am Donnerstag wurde die Sauna aus dem Keller gerissen, anschließend soll der Fußboden herausgestemmt werden. Auch Teile des alten Mauerwerks müssen voraussichtlich ersetzt werden. "Wir haben uns damit abgefunden, dass das Haus nie wieder aussehen wird wie vorher", so Herzfeldt.

Gülle-Unfall mit stinkenden Folgen in Bad Münder

Lkw-Fahrer entschuldigt sich mit Blumen

"In erster Linie sind wir froh, dass niemandem etwas passiert ist", sagte Herzfeldt. Der Lkw-Fahrer, der den Gülle-Unfall verursacht hatte, hat sich inzwischen bei der Besitzerin des Hauses entschuldigt. "Dem jungen Mann tut das sehr leid", sagte der Schwiegersohn der Hausbesitzerin, Holger Herzfeldt, NDR.de. "Er ist vorbeigekommen und hat meiner Schwiegermutter einen Blumenstrauß gebracht. Wir haben das sehr wohlwollend aufgenommen." Auch der Chef des Tanklasterunternehmens habe bereits einen Präsentkorb überreicht.

Lkw fuhr zu schnell

Der Lastwagen war zu schnell gefahren, samt Anhänger nach einer Kurve ins Schleudern geraten und anschließend in den Vorgarten des Hauses gekippt. Er hatte insgesamt 25.000 Liter eines Gärsubstrats geladen, das in einer Biogasanlage aus der Verarbeitung von Gülle und Mist entstanden war. Anders als zunächst gemeldet, liefen bei dem Unfall rund 5.000 Liter davon aus. Ein Teil davon floss auf die Straße, der Großteil lief in den Keller des Hauses. Nach Angaben der Anwohner fahren viele Verkehrsteilnehmer zu schnell in die Kurve vor dem Haus. Den Schaden am Lkw schätzte die Polizei auf rund 40.000 Euro.

Fahrer muss 35 Euro Bußgeld zahlen

Für die Polizei ist der Unfall indes abgeschlossen. "Für uns ist das ein Statistik-Unfall", sagte ein Sprecher NDR.de. Es gebe keine Straftat und so sei der Verstoß "Fahren mit nicht angepasster Geschwindigkeit" an die Bußgeldbehörde weitergegeben worden. Geahndet werde er mit 35 Euro. "Mehr konnten wir dem Fahrer nicht nachweisen", sagte der Sprecher. Denn für den Unfall habe es weder Zeugen gegeben noch sei der Tanklaster mit einem Fahrtenschreiber ausgestattet gewesen. Das sei in landwirtschaftlich genutzten Fahrzeugen auch nicht üblich.

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Was ist eigentlich Gülle?

Gülle besteht hauptsächlich aus Kot und Urin landwirtschaftlicher Nutztiere, vermengt mit Einstreu und Wasser. Das Gemisch wird als Wirtschaftsdünger eingesetzt. Dieser weist hohe Gehalte an gebundenem Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen Nährstoffen auf. Besonders viel Gülle fällt in der Schweine- und Rinderhaltung an. Problematisch ist eine Überdüngung von Böden. Diese wird für eine hohe Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich gemacht. Es gibt auch die Möglichkeit, Gülle vor dem Ausbringen energetisch zu nutzen. Gülle wird dabei in einer Biogasanlage durch Mikroorganismen abgebaut, dabei entsteht methanreiches Biogas. Dieses wird dann zur Erzeugung von Bioenergie verbrannt - übrig bleibt der Gärrest, der ebenfalls als Dünger eingesetzt wird.

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Ein lauter Knall - und die Gülle strömt aus

Rund 20.000 Liter Gülle haben am Sonnabend den Keller eines Hauses in Bad Münder geflutet. Der Sohn der Nachbarn war zuerst vor Ort. Er hörte einen Knall und sah die Brühe auslaufen. (21.03.2016) mehr