Stand: 29.04.2014 13:58 Uhr

Hat Windwärts Energie Anleger getäuscht?

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Trotz dramatischem Gewinneinbruchs wurden die Anleger von Windwärts Energie GmbH nicht gewarnt.

Der insolvente Windenergie-Projektierer Windwärts aus Hannover hat im Jahr 2013 offenbar mit geschönten Zahlen um Anleger geworben.

Das geht aus Dokumenten hervor, die Panorama 3 vorliegen. Für den Bau von Windkraftanlagen sammelte Windwärts bei Privatpersonen Geld für sogenannte Genussrechte ein. In ihrem Anfang 2013 veröffentlichten Werbeprospekt versprach das Unternehmen eine Verzinsung von bis zu 7,25 Prozent. Als Sicherheit verwies das Unternehmen darauf, dass es aus dem Vorjahr einen Gewinn von 1,6 Millionen Euro erwarte.

Dramatischer Gewinneinbruch

Nach Informationen des NDR stand unternehmensintern jedoch bereits mehrere Wochen vor der Veröffentlichung des Werbeprospekts fest, dass die Gewinnerwartung nur halb so hoch sein werde. Konkret ging Windwärts intern lediglich von einem Gewinn von rund 850.000 Euro aus. Dennoch veröffentlichte das Unternehmen Anfang 2013 in seinem Werbeprospekt die deutlich höhere Gewinnerwartung von bis zu 1,6 Millionen Euro. Eine Korrektur oder ein Nachtrag zum Prospekt blieb aus.

Aus der mittlerweile vorliegenden Bilanz geht hervor, dass Windwärts im Jahr 2012 letztendlich nur einen Gewinn von 160.000 Euro erzielte. Damit betrug er lediglich ein Zehntel der im Werbeprospekt prognostizierten Summe. Nach Informationen von Panorama 3 war der dramatische Gewinneinbruch im Unternehmen ebenfalls frühzeitig bekannt - nämlich in den ersten Monaten des Jahres 2013. Dennoch blieb eine Warnung an die Anleger weiter aus.

Anfang des Jahres hatte Windwärts Insolvenz angemeldet

Bis Mai 2013 zeichneten etwa 570 Anleger Genussrechte im Wert von insgesamt sechs Millionen Euro bei Windwärts. In einer Pressemitteilung freute sich der damalige Geschäftsführer Flemming über das "Vertrauen unserer Anleger, die zum wiederholten Male Geld bei uns angelegt haben". Es war bereits das vierte Mal, dass die Windwärts Energie GmbH seit 2006 Genussrechte ausgegeben hatte. Insgesamt haben mehr als 1.600 Anleger Genussrechte des Windkraft-Projektierers gezeichnet und dem Unternehmen 18,9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Anfang des Jahres hatte Windwärts Insolvenz angemeldet. Bereits im vergangenen Dezember hatte das Unternehmen die Rückzahlung von Genussrechtskapital in Höhe von 1,9 Millionen Euro ausgesetzt und auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch im Januar 2014 konnte Windwärts die fälligen Zinszahlungen für aufgelegte Unternehmensgenussrechte in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro nicht auszahlen. Als Grund für die finanzielle Schieflage nennt das Unternehmen unter anderem Verzögerungen bei laufenden Windenergieprojekten und Vorlaufkosten in den Auslandsmärkten. Auf Anfrage von Panorama 3 teilte Insolvenzverwalter Volker Römermann mit, ihm sei nichts davon bekannt, dass die Gewinnerwartung 2012 intern anders ermittelt wurde, als im Genussrechtsprospekt dargestellt. Sollten entsprechende Hinweise vorliegen, werde er diesen nachgehen.