Stand: 18.08.2015 19:31 Uhr

Hannovers erstes Café mit Miau-Faktor

von Inga Mathwig

Auf den Tisch springen, das ist im Café "Stubentiger" verboten. Eigentlich. Denn an Regeln hält sich Katze "Havanna" nur, wenn Astrid Heyer hinschaut. So passiert es auch, dass "Havanna" sich genüsslich auf der gläsernen Tischplatte räkelt, als Heyer sich einem dahinter liegenden Regal zuwendet. Spätestens am Dienstag, sagt Heyer, ist damit aber hoffentlich Schluss. Dann nämlich hat das "Stubentiger" in der Escherstraße eröffnet: Hannovers erstes Katzen-Café, in dem "Havanna" mit ihren Geschwistern "Hiro" und "Holly" sowie Stiefschwester "Chica" wohnt. Und dann sollen auf den Tischen nicht Katzen liegen, sondern Kaffee und Kuchen stehen. Das flauschige Extra positioniert sich im besten Fall auf des Gastes' Schoß. "Oder", so erzählt Heyer lächelnd, "im Fall von Kater 'Hiro' auch gerne mal auf den Füßen."

Katze "Havanna" sitzt auf einer Sessellehne. © NDR Fotograf: Inga Mathwig

Immer dem Federwedel nach!

Wenn Café-Inhaberin Astrid Heyer das Spielzeug auspackt, klettern die Katzen im "Stubentiger" sogar auf die Regale. An einem Haar im Kaffee sollten sich Gäste besser nicht stören.

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Kein Kaffee für Vierbeiner

Katzen-Cafés gibt es in Deutschland nun bereits eine Handvoll, etwa in Berlin, Köln und München, ihren Ursprung haben sie in Japan. Der Name ist allerdings irreführend: Das Katzen-Café ist kein gastronomischer Betrieb für die Katz', sondern ein Lokal, in dem Kaffee und Kuchen serviert werden - und eben Katzen wohnen, die sich im Idealfall das Kinn kraulen lassen. Entsprechend soll die Einrichtung des "Stubentigers" nicht nur menschlichen Ansprüchen genügen. Auf dem Boden liegen Spieleangeln, in den Ecken stehen Kratzbäume, von denen aus die Katzen Hängebrücken erklimmen können. Die werden aber noch mit Nichtbeachtung gestraft. Viel lieber fetzen "Havanna", "Holly", "Hiro" und "Chica" hinter einem mit Federn geschmückten Stab durch den Raum. Dass die ein oder andere Kralle dabei im Polster des Sessels hängen bleibt, kratzt Heyer nicht.

Alle Katzen stammen aus Hannover

Flauschige Vierbeiner prangen im "Stubentiger" auf Untersetzern, Fensterscheiben, Kissenhüllen und Bildern. Ein Katzen-Overkill? Nun, sagt Heyer, als Klientel erwarte sie Katzenfans. Die sollen im Café eine Anlaufstelle finden, Infos oder Bilder austauschen. Dann sagt Heyer etwas, das den Katzenliebhaber eindeutig vom bloßen Katzenfreund unterscheidet: "So wie Mütter gern mit anderen Müttern reden, wollen Katzenhalter sich mit ihresgleichen unterhalten". Sie selbst sei schon vor zwölf Jahren auf die Katze gekommen, genauer: auf ein felines Bruderpaar. Ein Kater sei dieses Jahr verstorben, der andere lebe noch bei ihr. Wegen seiner Herzkrankheit wohne er aber nicht im Café. Überhaupt sei es ein langwieriger Prozess gewesen, die passenden Café-Bewohner zu finden. Nach Besuchen bei Züchtern in ganz Niedersachsen und Hessen fand Heyer schließlich in Hannover drei entspannte Maine-Coon-Geschwister. Die vierte Katze, "Chica", stammt aus der Katzennothilfe. Eine Mitarbeiterin, die von Heyers Vorhaben wusste, hätte sie auf das "superverschmuste" Tier aufmerksam gemacht.

Heyer: "Wollte nie in die Gastronomie"

Ihr Antrieb? Der Gedanke an die Rente, sagt die 50-jährige Heyer bestimmt. Die gelernte Bankkauffrau wollte raus aus dem Finanzwesen, hat zuletzt im Marketing gearbeitet und suchte nach einer neuen Herausforderung - einer letzten. "Gastronomie lag mir allerdings völlig fern", sagt Heyer. Bei einem Treffen am Maschsee habe ihr eine Freundin im vergangenen Jahr vom Katzen-Café in München erzählt. Heyer war sofort angefixt. Sie habe im Internet recherchiert und das Katzen-Café in Köln besucht, bis ihr Entschluss feststand. "Da war mir das mit der Gastronomie egal."

Strenge Auflagen zur Eröffnung

Wo Licht ist, ist auch Schatten - wo Katzen sind, da sind auch Haare. Und die findet man nur ungern in seiner Suppe. Strenge Auflagen gab es daher vom Veterinär- und Gesundheitsamt: Die Tiere dürfen keinen Zugang zur Küche haben, alle Getränke müssen stets abgedeckt auf den Tisch kommen. Kuchen und Pfannkuchen werden in Gläsern serviert. Trotzdem könne es sein, dass nach dem Servieren auch mal ein Haar auf dem Essen lande. Das müssten die Gäste schon in Kauf nehmen. Ein separater Eingangsbereich mit eigener Tür soll verhindern, dass die Katzen entlaufen. Katzentoiletten und Futternäpfe sucht man vergebens. "Die sind in einem geschützten Bereich untergebracht", sagt Heyer - und lacht: "Schließlich wollen die ihr Geschäft auch in Ruhe erledigen."

Wo Streuner durch die Stube tigern

Keine Kuschelgarantie

In die sogenannten Rückzugsräume können die Katzen flüchten, wenn sie genug haben von den Händen der Fremden. Der schmusebedürftige Gast zieht dabei den Kürzeren - und kann nur auf die schnurrende Gnade einer der anderen drei Katzen hoffen. Doch, Obacht: Am Nachmittag halten die Katzen gern ein Schläfchen. Aufwecken ist nicht erwünscht, mahnt eine Liste an der Eingangstür. Eine Kuschelgarantie gibt es im "Stubentiger" nicht.

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