Stand: 25.11.2015 11:15 Uhr

Hannover und Spiel eins nach der Terrorwarnung

von Nils Hartung

Hannover 96 gegen den FC Ingolstadt - das klingt eigentlich nicht sehr aufregend. Eher nach grauem Bundesliga-Alltag, nach Platz 15 gegen Platz acht. Und doch ist es eine besondere Partie. Denn genau elf Tage nach der Absage des Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande soll am Sonnabend in Hannover wieder Bundesliga-Fußball gespielt werden. In dem Stadion, in dem eine Terrorgruppe offenbar einen Anschlag geplant hatte. Sprengstoff wurde nicht gefunden, weder im Stadion noch in der Stadt. Die Frage, ob es wirklich einen Anschlag geben sollte, ist immer noch nicht beantwortet, wird sie vielleicht auch nie. Doch der Betrieb geht am Sonnabend weiter in der höchsten deutschen Spielklasse. Eine Rückkehr zum Alltag, zur Normalität?

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Keine Anfragen besorgter Fans

"Es ist sicherlich noch keine ganz normale Situation", sagt Stefan Schostok (SPD), Oberbürgermeister von Hannover, NDR.de. Doch er sei sicher, dass es ein ganz normales Fußballspiel werden wird. Von Anfragen besorgter Fans im Rathaus wisse er nichts, so Schostok weiter. Der Verein selbst will auf Nummer sicher gehen. "Nach umfangreichen Gesprächen mit Behörden und Sicherheitsorganen haben wir die Sicherheitsmaßnahmen für den kommenden Sonnabend erhöht", heißt es in einer Stellungnahme von Hannover 96 gegenüber NDR.de. Wie in den ersten Bundesliga-Spielen nach der Absage am vergangenen Wochenende werden die Einlasskontrollen auch in Hannover verstärkt, mehr Ordner sind im Einsatz. "Wir bitten alle Fans, für die Anreise und den Einlass in die HDI Arena etwas mehr Zeit einzuplanen", heißt es weiter.

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Polizei rät zu "frühzeitigem Erscheinen"

Darauf weist auch Thomas Rochell, Vizepräsident der Polizeidirektion Hannover, hin. Er hatte den Einsatz rund um das abgesagte Länderspiel am 17. November geleitet. "Es ist das erste höherklassige Spiel nach dem abgesagten Länderspiel. Es wird intensivere Einlasskontrollen geben. Deshalb raten wir den Zuschauern, frühzeitig zu erscheinen", so Rochell. Mit wie viel Personal die Polizei am Sonnabend im Einsatz sein wird, will er nicht verraten. Nur so viel: "Es wird sicherlich mehr sein, als es ohne die Absage gewesen wäre."

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Kein Thema in Ingolstadt

Ein "besonderes Spiel" für Trainer Michael Frontzeck und sein Team sei die Begegnung nicht, sagt Alex Jacob, Sprecher von Hannover 96. "Alles normal, weil ja auch schon ein Bundesligaspiel stattgefunden hat." Auch über spezielle Aktionen der Fans sei bislang nichts bekannt. Auf der anderen Seite, beim FC Ingolstadt, gibt man sich ebenfalls gelassen. "Wenn Sie es jetzt nicht noch einmal angesprochen hätten, hätte ich es gar nicht mehr im Kopf gehabt", so Sprecher Oliver Samwald im Hinblick auf die erste Partie nach der Terror-Absage.

"Mulmiges Gefühl" am vergangenen Wochenende

Am vergangenen Wochenende, beim Heimspiel gegen Darmstadt 98, da sei die Vorgeschichte aus Hannover durchaus noch ein Thema gewesen. "Es gab verschärfte Kontrollen, wir haben deswegen auch später angefangen", berichtet Samwald. Doch vor dem Auswärtsspiel hätten sich bislang noch keine Ingolstädter Fans nach der Sicherheitslage in Hannover erkundigt. Auch das sei vor dem Heimspiel gegen Darmstadt durchaus anders gewesen. "Da hat es beim einen oder anderen schon ein mulmiges Gefühl gegeben", sagt Samwald.

Ein mulmiges Gefühl, auf das in Hannover alle gern verzichten würden. Der Oberbürgermeister geht voran. Ist er am Sonnabend beim Spiel im Stadion? "Auf jeden Fall!", kommt Schostoks Antwort postwendend.

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