Stand: 23.09.2015 21:25 Uhr

Glyphosat-Workshop erzürnt Agrar-Unternehmen

Der Streit um das umstrittene Pflanzengift Glyphosat hat nun auch Niedersachsen erreicht. Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG) wirft dem Umweltministerium eine völlig unausgewogene Diskussion des Wirkstoffs in der Öffentlichkeit vor. Anlass der Kritik ist ein Workshop, den das Ministerium von Stefan Wenzel (Grüne) am Mittwoch in Hannover veranstaltet hat. Nach Auffassung der in der AGG zusammengeschlossenen Pflanzenschutzunternehmen sei die Veranstaltung personell und inhaltlich angelegt, "ein Scherbengericht über den Wirkstoff abzuhalten". In der EU läuft derzeit ein Verfahren, in dem über die Neuzulassung von Glyphosat entschieden wird.

 Arbeitsgemeinschaft kritisiert Redner-Liste

"Der Blick auf die Tagesordnung zeigt, dass überwiegend Personen zu Wort kommen, die bisher Zweifel am Willen an einer sachlichen Debatte aufkommen ließen", sagte Ursula Lüttmer-Ouazane, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft. Unter dem Dach eines Ministeriums sei eigentlich kein Platz für eine einseitige Meinungsmache, so die Sprecherin. Man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich hier in Wahrheit um eine parteipolitische Veranstaltung handele. Laut Einladung waren bei dem Workshop Karsten Hohgardt vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Professorin Monika Krüger von der Universität Leipzig, Margit Salzmann vom Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim und Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als Redner vorgesehen.

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Glyphosat gilt als "wahrscheinlich krebserregend"

Die AGG fordert in ihrer Erklärung, die Risiken von Glyphosat nicht zu überzeichnen und den Nutzen des Wirkstoffs nicht unter den Teppich zu kehren. Glyphosat sei für eine bodenschonende Landwirtschaft eine nicht zu ersetzende Hilfe. Im März war das Mittel von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft worden. Kritiker fordern ein Verbot des Mittels, das als das weltweit meistgenutzte Pflanzengift gilt. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace wollen fünf große Baumarktketten glyphosathaltige Mittel aus dem Sortiment nehmen.

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