Stand: 04.01.2016 11:19 Uhr

Geschäft mit Cannabis boomt in Niedersachsen

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In Lüneburg entdeckt die Polizei im Frühjahr 2015 eine sogenannte Profiplantage.

Acht Ernten im Jahr, 45 Gramm je Blüte, zehn Euro pro Gramm: Das Geschäft mit Cannabis ist lukrativ und boomt in Niedersachsen. Die Polizei hat im vergangenen Jahr 19.600 illegal angebaute Pflanzen beschlagnahmt. Das sind knapp 20 Prozent mehr als 2014, als gut 16.400 Pflanzen sichergestellt wurden. 2013 waren es noch rund 12.000 Exemplare. Der Anstieg hängt vor allem damit zusammen, dass 2015 in Lüneburg, in Leer sowie im Hamburger Umland riesige Plantagen mit insgesamt knapp 9.800 Pflanzen entdeckt wurden. 2014 war nur eine sogenannte Profi-Plantage entdeckt worden.

250 Cannabispflanzen auf einem Dachboden

Die Zahl der entdeckten Großplantagen mit mehr als 100 Pflanzen ging dagegen innerhalb eines Jahres von 37 auf 27 zurück. Allerdings kam schon kurz nach dem Stichtag am 15. Dezember eine weitere Großplantage hinzu. In Groß Hegesdorf (Landkreis Schaumburg) wurden 250 Cannabispflanzen auf dem Dachboden einer Scheune entdeckt. Bei dem 51-jährigen Besitzer fanden die Beamten zudem "das gesamte erforderliche Equipment zum professionellen Betreiben einer Indoor-Plantage", wie Polizeisprecherin Gabriela Mielke sagte.

Anbau im Industriegebiet in Lüneburg

Von einem besonders "dicken Fisch" sprach die Polizei, als die Beamten im Februar 2015 mitten im Industriegebiet in Lüneburg in einer Lagerhalle eine riesige Cannabisplantage aushoben. Zeugen hatten die Polizei zuvor auf "seltsame Gerüche" aufmerksam gemacht. Dadurch kamen die Ermittler den mutmaßlichen Großdealern auf die Schliche. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten vor, auf rund 1.000 Quadratmetern drei bis vier Mal im Jahr rund 65 Kilogramm Marihuana aus rund 3.600 Cannabis-Pflanzen geerntet zu haben. Rund vier Millionen Euro soll der Anbau über Jahre hinweg insgesamt eingebracht haben. Den Männern drohen wegen Drogenhandels und unerlaubten Waffenbesitzes bei einem Schuldspruch Haftstrafen zwischen fünf und mehr als zehn Jahren. Ein Urteil wird Ende Februar erwartet.

Cannabis - die am häufigsten konsumierte illegale Droge

Noch immer ist Cannabis laut Landeskriminalamt die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Niedersachsen. Die illegale Herstellung von Cannabis-Produkten gilt angesichts des Straßenverkaufspreises von etwa zehn Euro für ein Gramm Marihuana nach wie vor als lukrativ. Je Pflanzenblüte kann man laut LKA-Sprecher Frank Federau mit etwa 45 Gramm Ertrag rechnen. Bei idealen Bedingungen können die Pflanzen nach sechs bis acht Wochen abgeerntet werden, sodass bis zu acht Ernten im Jahr möglich sind. Hinzu kommt, dass die Betreiber von Groß- und Profiplantagen sich die Energie häufig illegal auf Kosten Dritter beschaffen, indem sie den Strom vor dem Zähler ableiten.

Von der kleinen Hütte bis zum leerstehenden Haus

Auf Indoor-Plantagen stoßen die Beamten oft in leerstehenden größeren Häusern oder Scheunen, aber auch in kleinen Hütten werden Beamte fündig. Im Juni 2015 hatten Beamte in Lüneburg gar in einer Baumkrone eine Miniplantage entdeckt. Der Besitzer der drei Cannabis-Pflanzen wollte offenbar sicherstellen, dass sie ausreichend Sonne bekommen. Doch als die Stadt die Bäume stutzen ließ, wurden sie dann doch entdeckt. Die Polizei leitete ein Strafverfahren wegen des unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln ein.