Stand: 16.09.2015 16:37 Uhr

Gefährliche Verwechslung: Syrer essen Giftpilze

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Bereits 30 Patienten, hauptsächlich syrische Flüchtlinge, haben sich am Knollenblätterpilz vergiftet. (Archivbild)

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) schlägt Alarm: Flüchtlinge vergiften sich immer wieder am Knollenblätterpilz, der in niedersächsischen Wäldern wächst. Allein in der Nacht zu Mittwoch habe es in Hannover 17 neue Fälle gegeben, insgesamt seien in den vergangenen Tagen 30 Patienten mit Pilzvergiftung in Kliniken eingeliefert worden. "Die meisten Patienten sind Flüchtlinge aus Syrien", sagte Andrea Schneider, Ärztin an der MHH. "Dort scheint es einen essbaren Pilz zu geben, der dem Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnelt." Die Patienten würden an der MHH und in anderen Krankenhäusern behandelt.

Warn-Plakat für Flüchtlingsunterkünfte

Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen aus anderen Ländern sich am Knollenblätterpilz vergiften, weil sie ihn für essbar halten. In den vergangenen Jahren waren davon häufig auch Spätaussiedler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion betroffen. Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen hatte von den Fällen berichtet. Um weitere Vergiftungen bei Flüchtlingen zu verhindern, hat die MHH eine Plakat-Aktion gestartet. In unterschiedlichen Sprachen wird darauf vor dem Giftpilz gewarnt. Das Plakat soll in Flüchtlingsunterkünften ausgehängt werden. Noch bis Oktober wächst der Pilz in Laub- und Mischwäldern.

Im schlimmsten Fall versagen Leber oder Nieren

Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland. Der Verzehr zweier Unterarten - des Weißen und des Grünen Knollenblätterpilzes - kann tödlich enden. "Der Pilz ist sehr gefährlich, da sein Gift erst mehrere Stunden nach dem Verzehr wirkt und dann bereits im ganzen Körper aufgenommen ist", teilte die MHH mit. Zuerst leiden die Betroffenen demnach unter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Einige Tage später drohen unter anderem Leber- und Nierenschäden. Im schlimmsten Fall versagt die Leber und nur eine Transplantation kann den Patienten retten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 16.09.2016 | 17:00 Uhr

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