Stand: 02.03.2017 17:38 Uhr

Erdgasbranche will mehr Förderprojekte anpacken

Die deutsche Erdgas-Branche will angesichts spürbar nachlassender Produktion bislang zurückgestellte Förderprojekte angehen. "Wir sind bereit, der heimischen Förderung eine neue Perspektive zu geben", sagte Martin Bachmann, Vorstandschef des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG), am Donnerstag in Hannover. Die hiesigen Reserven reichten aus: "Es gibt noch Potenzial für über 20 Jahre." Bachmann zufolge lägen allerdings Milliarden-Investitionen - nach "Jahren in der Warteschleife" - für sogenannte konventionelle Förderprojekte auf Eis.

Bundesverband: "Es gibt Forschungsbedarf"

Grund dafür sind laut Bundesverbandschef Bachmann Diskussionen über das umstrittene Fracking sowie niedrige Gas- und Ölpreise. 2016 sei die deutsche Erdgas-Produktion auf 7,9 (2015: 8,6) Milliarden Kubikmeter deutlich gesunken. Im laufenden Jahr werde die Produktion weiter sinken. Bei unkonventionellen Lagerstätten gebe es Forschungsbedarf, der Prozess sei aber erst ganz am Anfang, erklärte Bachmann. Der Verband wolle sich "sehr aktiv beteiligen". Mit der konventionellen Förderung sei es möglich, langfristig wieder 10 bis 20 Prozent des Erdgasbedarfs in Deutschland zu decken. Nach einer mehrjährigen Anlaufzeit seien drei bis vier neue Förderprojekte pro Jahr denkbar.

Kommerzielles Fracking bleibt tabu

Seit Mitte Februar 2017 sind neue gesetzliche Regelungen in Kraft. Dabei geht es auch um sogenanntes Fracking in bisher in Deutschland nicht erforschten unkonventionellen Lagerstätten. Die neuen Regeln verbieten die entsprechende kommerzielle Förderung - zumindest bis 2021. Forschungsprojekten muss das jeweilige Bundesland zustimmen.

Konventionelles und unkonventionelles Fracking

Beim konventionellen Fracken wird das Gestein in Tiefen von bis zu fünf Kilometer aufgebrochen. Unternehmen betonen, in dieser Tiefe gebe es keine Gefahr für das Grundwasser. Zudem seien die Chemikalien unbedenklich und würden offengelegt. In Deutschland wird bereits seit Jahren konventionell gefrackt.

Beim unkonventionellen Fracking, wie es in den USA auch praktiziert wird, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Ton- oder Schiefergestein gepresst, das relativ nahe an der Oberfläche liegt. Diese Schichten werden auf diese Weise aufgebrochen, um bisher unerschlossene Gasreserven freizusetzen. Der Rückfluss des Gemisches muss dann entsorgt werden, was aus Umweltschutzgründen ebenfalls als bedenklich gilt. Welche Chemikalien eingesetzt werden, muss zudem nicht offengelegt werden. Folgeschäden sind bisher kaum erforscht. Diese Art des Frackings ist in Deutschland inzwischen verboten.
(Quelle: tagesschau.de)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.03.2017 | 16:00 Uhr

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